Full text: Das Weltkriegsende

Die Erste O.H.L. 
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des Militärkabinetts sicherlich entsprochen worden. Bekanntlich hat 
Moltke den General Ludendorff immer besonders geschätzt und ihn 
deshalb auch im Juni 1913, als Ludendorff bereits Kommandeur des 
Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39 in Düsseldorf gewor¬ 
den war, durch einen dem Militärkabinett unterbreiteten Vorschlag 
in die wichtige Stellung als Direktor des Allgemeinen Kriegsdepar¬ 
tements im Kriegsministerium zu bringen versucht. Wie Moltke 
über Ludendorsf dachte, kommt am deutlichsten in seinem Brief vom 
22. August 1914 bei der Entsendung des Generals nach dem östlichen 
Kriegsschauplatz zum Ausdruck: „Ich weiß keinen anderen Mann, zu 
dem ich so unbedingtes Vertrauen hätte als wie zu Ihnen. Vielleicht 
retten Sie im Osten noch die Lage." Rückblickender Betrach¬ 
tung der Ereignisse kann es daher vom heutigen Standpunkt 
der Erkenntnis aus bedauerlich erscheinen, daß Moltke im Welt¬ 
kriege den General nicht von Anfang an zu unmittelbarer Mit¬ 
arbeit innerhalb der Obersten Heeresleitung berufen hat. 
Im dienstlichen Verkehr mit anderen Persönlichkeiten, auch mit 
dem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, hat Moltke bei seiner ruhi¬ 
gen, sachlichen Art in wesentlichen Fällen seine Ansicht durchgesetzt. 
So war in den kritischen Stunden vor dem Kriegsausbruch der 
Kriegsminister, General v. Falkenhayn, dagegen, eine Kriegserklä¬ 
rung an Rußland zu erlassen. Moltke widersprach ihm, da der für 
den Zweifrontenkrieg berechnete Aufmarschplan die sofortige Vor¬ 
nahme kriegerischer Handlungen gegen Belgien im Falle der Ver¬ 
weigerung des deutschen Durchmarschbegehrens vorsah und, wie 
Moltke gegenüber dem Reichskanzler hervorhob, Deutschlands Aus¬ 
sichten in dem Ringen gegen eine so gewaltige zahlenmäßige Über¬ 
macht allein von der äußersten Schnelligkeit des Handelns abhingen. 
Dieser ihm zwingend erscheinenden Auffassung Moltkes hat Beth¬ 
mann Hollweg sich gebeugt. 
Die Zweite O.H.L. 
Schon am 14. September 1914, also wenige Tage nach dem 
Rückzüge von der Marne, mußte der bisherige Kriegsminister Ge¬ 
neral Erich v. Falkenhayn an die Stelle Moltkes treten, der den 
ungeheuren Belastungen des Krieges nicht mehr gewachsen war. Mit 
ihm trat ein jugendlicher General von ungebrochener Arbeitskraft, 
großer körperlicher Energie und hohem militärischem Ehrgeiz in die 
oberste Kriegsleitung ein. In seinem durchaus objektiv und unper¬ 
sönlich gehaltenen Buche „Die Oberste Heeresleitung 1914—1916 in 
ihren wichtigsten Entschließungen"' hat er sich über die Aufgaben, 
die er damals zu übernehmen hatte, eingehend geäußert. In dem 
* Berlin, E. S. Mittler & Sohn, 1920. 
Schrvertfeger, Das Welrkrregsende 2
	        
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