Full text: Die Kriegführung im Sommer und Herbst 1917. Die Ereignisse außerhalb der Westfront bis November 1918. (13. 1942)

Juni/Juli. 
II. Lage und Absichten der Entente. 
A. Die Gesamtlage. 
Fm Frühjahr 1917 hatten Lähmung des russischen Heeres durch die 
Revolution, Mißlingen der großen französisch-englischen Osfensivoperation 
im Westen und anschließende gefährliche Zersetzungserscheinungen im 
französischen Heere, dabei Festlausen der Angriffe an der italienischen 
Front, am Balkan wie in der Türkei und nicht zuletzt die Wirkungen des 
deutschen uneingeschränkten Unterseekrieges die großen Hoffnungen der 
Entente zuschanden werden lassen. Der Mißerfolg hatte Kriegsmüdigkeit 
und Unzufriedenheit gefördert und unter dem Eindruck der Vorgänge in 
Rußland eine teilweise bedenkliche Unruhe in die Massen gebracht, vor 
allem in Frankreich und in Italien. Mit Festigkeit suchten die Regierungen 
demgegenüber ihre Kriegsziele aufrechtzuerhalten und fanden dafür in 
den Volksvertretungen ausreichende Unterstützung. Besonders die Wil¬ 
lensstärke Lloyd Georges war es, die Zweifelnde und Widerstrebende in 
ihrem Banne hielt. Dabei stützte sich die Hoffnung daraus, daß die wirt¬ 
schaftliche Rot der Mittelmächte bereits einen ernsten Grad erreicht hatte, 
immer noch zunahm und eine Friedenssehnsucht bei ihnen erwachsen ließ, 
die im deutschen Friedensangebot vom Dezember 1916 und erst recht in 
den Friedensfühlern Kaiser Karls bereits deutlichen Ausdruck gefunden 
hatte. Das Vorbild der russischen Revolution schien aus die Arbeitermassen 
der Mittelmächte in erfreulicher Weise unruhestistend zu wirken. Aber 
die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten der Donaumonarchie 
war man besonders genau unterrichtet. Die auf Loslösung der slawischen 
Volksgruppen gerichteten Bestrebungen waren allerdings nicht im Sinne 
von England und Frankreich. Diese sahen vielmehr in der Erhaltung 
eines unter Beseitigung der deutschen und ungarischen Vormachtstellung 
föderalistisch zusammengesetzten Habsburger Reiches ihren Vorteil, denn 
damit blieben auch wesentliche deutsche Volksteile außerhalb des deutschen 
Reiches gebunden. So unterstützten sie die slawische Emigrantenpolitik 
keineswegs, sondern behielten nach wie vor die durch die Sixtus-Verhand¬ 
lungen angebahnte Möglichkeit eines Sonderfriedens mit Kaiser Karl im
	        
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