Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

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Die Operation des Oberbefehlshabers Ost gegen Wilna. 
22. September. 
„empfindliche Schädigung"*) seiner Operationen empfunden, daß die 
Oberste Heeresleitung die bereits zum Folgen hinter der 3.In- 
fanterie-Division bereitgestellte 26. Infanterie-Division am 19. September 
abberufen und daran trotz aller Gegenvorstellung festgehalten hatte. Wie 
dringend die Lage auf anderen Kriegsschauplätzen diese Maßnahme 
forderte, vermochte der Oberbefehlshaber Ost allerdings nicht zu übersehen. 
Am 22. September wollte General von Hutier auf dem Ostflügel 
der 10. Armee den durch das Sumpfgelände stärksten Teil der Abwehr- 
front, den Wilia-Abschnitt von nördlich Smorgon bis Wilejka, mit nur 
einer Infanterie-Division und zwei Kavallerie-Divisionen besetzt laffen, 
während drei Infanterie-Divisionen, zum umfassenden Angriff vorwärts 
gestaffelt, in die Linie Wilejka—Wiazyn abrückten. Das Kavalleriekorps 
Garnier, nunmehr aus 4., 9. und bayerischer Kavallerie-Division neu¬ 
gebildet, sollte nach den Weisungen des Oberkommandos noch weiter östlich 
gegen des Feindes Flanke wirken. Diese Absichten wurden durch rus¬ 
sische Angriffe gestört, die bereits in aller Frühe einsetzten. Die im 
Wilia-Vogen Smorgon—Wilejka bisher zum Teil noch bis an den Fluß 
vorgeschobene deutsche Front wurde auf die gerade Linie zurückgedrängt; 
statt einer mußte General von Hutier hier 1% Infanterie-Divisionen 
neben der Kavallerie eingesetzt lassen. Da ferner von den Umfaffungs- 
truppen auch die 115. Infanterie-Division durch russischen Angriff bereits 
bei Wilejka und östlich davon gefeffelt wurde, blieben für einen Stoß des 
linken Flügels schließlich kaum noch 1Z4 Divisionen übrig, die abends an 
der Bahn etwa zwölf Kilometer nordöstlich von Wilejka bereitstanden. 
Inzwischen aber hatte sich der russische Angriff so weit nach Osten aus¬ 
gedehnt, daß auch für diese Kräfte Umfassung nicht mehr in Frage kam. 
Östlich von der 115. Infanterie-Division hatte der Gegner die Wilia 
bereits überschritten; die drei Kavallerie-Divisionen des Generals 
von Garnier hatten sein Vorgehen erst in einer 20 Kilometer breiten 
Linie abfangen können, die nördlich von Rabun bereits vier Kilometer 
nördlich des Flusses lag und erst an der Serwecz-Mündung^) wieder an ihn 
herankam. Der Gegner aber schien sich jetzt noch weiter nach Osten aus¬ 
zudehnen. 
Die bei der Gruppe Carlowitz und der 8. Armee angesetzten 
deutschen Angriffe hatten nur rein örtliche Erfolge erzielt. Die Gruppen 
Litzmann und Eben hielten ihre Stellungen und konnten einzelne 
russische Angriffe leicht abweisen. 
!) Telegramm an die Oberste Heeresleitung vom 19. September. 
2) Nördlicher Nebenfluß der Wilia, nicht zu verwechseln mit dem später ge- 
nannten Serwetsch, linkem Nebenfluß des oberen Njemen.
	        

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