Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Die Mannschaftsersatzlage. 
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Sparsamkeit in der Befriedigung der laufenden Crsatzbedürfnisse damit zu 
rechnen, daß dieser Jahrgang selbst mit Einschluß des Zuflusses an Wieder¬ 
genesenen und an Crsahmannschaften, die durch Einziehung von Zurück¬ 
gestellten und durch Änderung der wehrrechtlichen Bestimmungen*) ver¬ 
fügbar gemacht wurden, höchstens ein halbes Jahr reichen würde. Ende 
1915 wurde daher bereits mit der Musterung des Jahrganges 1917 be¬ 
gonnen. 
Bei dieser unvermeidlichen Verschärfung der Crsatzlage bestand der 
Stellvertretende Kriegsminister, Generalleutnant von Wandel, in voller 
Übereinstimmung mit dem im Großen Hauptquartier weilenden Kriegs¬ 
minister, Generalleutnant Wild von Hohenborn, und unbeirrt durch 
mancherlei aus der Front kommende Forderungen darauf, mit dem Heeres- 
ersatz möglichst hauszuhalten. Im September 1915 legte General von Wild 
dem Chef des Generalstabes des Feldheeres dar, daß die Ersahversorgung 
des Heeres in der bisherigen Höhe nur noch etwa ein Jahr lang aufrecht¬ 
erhalten werden könne; die Verhältniße zwängen daher „zu größter Spar¬ 
samkeit mit dem vorhandenen Menschenmaterial", namentlich „im Hinblick 
auf die Folgen, die entstehen könnten, wenn der Zufluß an Ersatz versiegen 
würde, bevor alle Kriegsaufgaben zu einem günstigen Ende geführt seien". 
Die Armee- und Truppenführer wurden von der Heeresverwaltung auch 
wiederholt darauf hingewiesen, ihre Ersatzansprüche nur nach wirklich 
dringenden Bedürfnisien zu bemessen und ihre Forderungen auf Neu¬ 
formationen möglichst einzuschränken. 
Durch die in ihrer Hand liegende einheitliche Regelung der Crsatzver- 
sorgung war die Heeresverwaltung in enger Zusammenarbeit mit der 
Obersten Heeresleitung in der Lage, den Bedürfnisien je nach der Dring¬ 
lichkeit ausgleichend Rechnung zu tragen. Dementsprechend wurden über 
Truppenverbände, die ausreichend versorgt waren, schließlich auch über ganze 
Heeresfronten für kürzere oder längere Dauer Crsatzsperren verhängt. Dem 
gleichen Zweck möglichst sparsamer Crsatzwirtschaft diente es auch, wenn die 
Infanterietruppen seit dem Sommer 1915 im allgemeinen nicht mehr bis zu 
ihrer vollen planmäßigen Kriegsstärke, sondern nur noch bis zu einer im 
Westen auf 800, im Osten auf 900 Mann herabgesetzten Bataillonsstärke 
ausgefüllt wurden. 
Ebensosehr wie von der Bereitstellung der Streitkräste und von der 
Ersatzversorgung waren Erhaltung und Steigerung der Kampftraft des 
*) Durch Gesetz vom 4. September 1915 wurde die Nachmusterung der bei der 
Friedensaushebung für dienstunbrauchbar erklärten Wehrpflichtigen ermöglicht, die 
nach den bisherigen gesetzlichen Bestimmungen vom Heeresdienst befreit waren.
	        

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