Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

328 Der Angriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russische Rarew-Front. 
rs.JE. fortgesetzt werden. Als gleich darauf dem Oberkommando Ost von 
dieser Meldung an die Oberste Heeresleitung berichtet wurde, offenbarte sich 
deutlich die Verschiedenheit der Ansichten über die weiteren Stete1). Wäh¬ 
rend Oberst Marquard daraus hinwies, „der Kessel um Warschau müsse 
geschlossen und enger" werden, der linke Flügel dürfe daher nicht weiter 
gegen die 8. Armee hin gedehnt werden, vielmehr sei diese, wenn möglich, zu 
verstärken, vertrat Oberstleutnant Hoffmann die Auffassung des Oberbefehls¬ 
habers Ost, der sich vom Stoß nach Süden gegen und über den Vug nicht 
viel versprach, dagegen ostwärts Raum zu gewinnen wünschte; die Armee- 
Gruppe Gallwitz müsse zunächst mit der 8. Armee zusammenwirken und ihr 
den Rarew-Kbergang in der Richtung auf Sniadowo öffnen; ehe Lomza 
nicht gefallen sei, könne sie ohnehin nicht über den Vug. 
Vom rechten Flügel der Armee-Gruppe kamen auch an diesem Tage 
Meldungen über russische Angriffstätigkeit. In einer Aussprache mit dem 
Korps Plüskow hoffte Oberst Marquard, daß sich die Russen in den fort¬ 
währenden Angriffen verbluten würden. Einstweilen sei der deutsche Angriff 
überall aufgehalten. Als Zeitpunkt für seine Wiederaufnahme beim Korps 
Plüskow wurde jetzt der 3. August in Aussicht genommen; bis dahin sollte 
Munition herangeschafft werden. Damit war der rechte Armeeflügel nicht 
nur — wie noch morgens in der Meldung an die Oberste Heeresleitung 
angenommen — für drei Tage, sondern für fast eine Woche stillgelegt, 
der Vorstoß gegen den Vug unmittelbar in den Rücken von Warschau, 
um dort den Kessel zu schließen, entsprechend weit hinausgeschoben. 
Aber auch an der übrigen Front ging es am 28. Juli nicht nach Wunsch 
vorwärts. 
Beim Korps Matter war nur ein örtlicher Erfolg bei Goworowo zu 
verzeichnen; die dem Korps vorübergehend unterstellte, nach Norden ange¬ 
setzte 83. Infanterie-Division, Ersatz-, Landwehr- und Landsturmtruppen 
mit nur etwa sechs Batterien, war zu wenig kampffähig, um nach dem 
Erfolge des Vortages noch Fortschritte zu erzielen. Beim Korps Eben war 
es der hartnäckig ausharrenden 2. Infanterie-Division zwar gelungen, in 
der Nacht auch fünf Batterien über den Fluß zu bringen — Teile der 
37. Infanterie-Division waren gefolgt —, doch konnte die Lage zunächst auch 
damit noch nicht entscheidend gefördert werden. 
Bei Ostrolenka war der Kbergangsversuch der 54. Infanterie-Division 
frühmorgens gegen die gut vorbereitete Abwehr des Feindes nur teilweise 
geglückt, so daß das Armee-Oberkommando angesichts der bei Kamionka ge¬ 
machten Erfahrungen zur Erwägung stellen ließ, das Unternehmen nun doch 
') S. 325.
	        

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