Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

324 Der Angriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russische Rarew-Froni. 
25.Juli, griffs um so mehr hinderlich wurde, als die Ansprüche der Infanterie an 
kräftige Llrtillerievorbereitung wuchsen. Cs begannen Klagen über Muni¬ 
tionsmangel; es mußte gespart werden. Das Korps Eben hatte am 24. Juli 
bereits gemeldet, um bei Ostrolenka überzugehen, müsse es erst die bei Kami- 
onka bereitgelegte Munition von dort abholen. 
General von Gallwitz hatte die Leitung des Angriffs zwischen dem 
Narew südlich von Pultusk und dem Pulwy-Vruch General von Plüskow 
übertragen. Der Tag verging hier mit dem Vorfühlen gegen die neuen 
russischen Stellungen und sonstigen Angriffsvorbereitungen. Nördlich des 
Pulwv-Bruches schloß das XVII. Armeekorps nach vorwärts auf und 
näherte sich der am Ostrande der Niederung verlaufenden Bahn Wyszkow— 
Ostrolenka, an der der Gegner in anscheinend starker Stellung wieder Front 
gemacht hatte. Beim Korps Matter lagen die Brücken von Rozan immer 
noch unter russischem Feuer. Die Infanterie sehte sich im Vorland der 
Narew-Niederung fest, die gesamte Artillerie stand aber abends noch auf 
dem Westufer. „Für die Divisionen des Korps handelte es sich zunächst 
darum, die gewonnenen Stellungen einzurichten", heißt es an diesem Tage 
im Kriegstagebuch des Korps. Auch dem Korps Eben blieb jeder weitere 
Erfolg versagt. Die Lage der östlich des Fluffes heldenmütig ringenden, 
inzwischen auf acht Bataillone verstärkten Truppen wurde immer schwie¬ 
riger, da es trotz aller Bemühungen nicht gelang, das russische Artillerie- 
unb Maschinengewehrfeuer zum Schweigen zu bringen; es kam aus Wald¬ 
stellungen, die nicht aufzufinden waren und daher bei beschränkter Munition 
nicht niedergekämpft werden konnten. So stiegen die Verluste an dieser 
einen Stelle auf fast 1000 Mann. Als besonderes Erschwernis trat hinzu, 
daß sich die Wassertiefen der Furten durch den Einschlag schwerer russischer 
Granaten und durch Regen derart veränderten, daß schließlich fast jede Ver¬ 
bindung zum Ostufer unterbrochen war. 
Bei der 8. A r m e e war es der 75. Reserve-Division gelungen, östlich 
der Szkwa-Mündung eine Kompagnie über den Fluß zu bringen; weitere 
Fortschritte wurden aber auch hier durch starke feindliche Gegenwirkung 
verhindert. 
Die Hoffnung, daß es nach der Überwindung des Narew bei und öst¬ 
lich von Pultusk flott vorwärts gehen und dadurch der Übergang weiter 
oberhalb erleichtert werden würde, schien sich nicht zu erfüllen. Bei einem 
Ferngespräch, das General von Gallwitz mit dem Oberkommando 
Ost') hatte, wünschte General Ludendorff mehr Nachdruck hinter dem 
XVII. Armeekorps, um zwischen Bug und Narew nach Osten Raum zu ge- 
') Nach von Gallwitz, S. 307.
	        

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