Volltext: Die Pasubio-Kämpfe 1916 - 1918

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Die Lage spitzte sich immer mehr zu. Dem Lt. Oberguggenberger 
blieben daher, wenn nicht bald eine Unterstützung eintraf, nur zwei Wege 
offen: entweder bis zum letzten Mann durchzuhalten, dann wäre allerdings 
dem Feinde nach Überwindung des äußersten Widerstandes der Weg zum 
Durchbruch frei geworden, oder die Platte zu räumen und weiter rück¬ 
wärts an ihrem Nordrande bis zum Eintreffen einer Reserve den 
Kampf hinhaltend zu führen. In diesem Sinne meldete auch Lt. Ober- 
guggenberger die Lage dem Bataillonskommando und erbat eine Ent¬ 
scheidung. 
Der Bataillonskommandant Hptm. Gamber war nun zwar über die 
äußerst gefahrvolle Lage unterrichtet, konnte aber nicht helfen, da auch 
ihm keine Reserven mehr zur Verfügung standen. Er meldete um 
12.45 Uhr dem Regimentskommando: ,,Wenn keine Unterstützungen kom¬ 
men, bricht Feind durch!" 
Aus den Tagebüchern und Gefechtsberichten der verschiedenen 
Zwischenstellen bis zum Brigadekommando geht auch hervor, daß gerade 
zu dieser Zeit ein bedrohlicher Mangel an Reserven herrschte. Die durch 
d'en Fall der Cosmagonstellung am Vortage und durch den darauffolgenden 
mißlungenen Gegenstoß notwendig gewordene Besetzung des Roite- 
rückens hatte alle verfügbaren Reserven verschlungen. Dazu kam, daß 
die weit zurückreichende Wintergruppierung der Reserven den Nachteil 
brachte, daß die sofort in Marsch gesetzten Abteilungen erst nach Über¬ 
windung der im Hochgebirge beschwerlichen und zeitraubenden Märsche 
nach und nach eintreffen konnten. 
Auf die Meldung des Hptm. Gamber gab das Regimentskommand'o 
um 13 Uhr von seiner letzten Reserve (15. Kompagnie) die Hälfte ab, mit 
der anderen Hälfte ließ es eine Aufnahmsstellung beim Kommando bezie¬ 
hen. Die Lage schien so gefahrvoll, daß es auch Anstalten traf, gegebenen¬ 
falls den Standort zu verlegen. Eine Viertelstunde später traf ein Auf¬ 
trag des Brigadekommandos ein, daß die Platte unter allen Umständen 
bis zum Eintreffen der anrollenden Reserven zu halten sei. Damit waren 
die mit Bahn bzw. mit Lastkraftwagen aus dem rückwärtigen Korps- und 
Armeebereich herangeführten Unterstützungen gemeint. 
Mit diesen war aber höherenorts auch ein Gegenangriff zur Wieder¬ 
gewinnung der Cosmagonstellung geplant. Dies ging aus der telefonischen 
Aufforderung des Brigadekommandos, bis zum Abend durchzuhalten, weil 
dann mit 10 Kompagnien eine Gegenaktion geplant sei, hervor. 
Glücklicherweise nützten die Italiener die äußerst kritische Lage 
auf der Platte nicht zu einem Angriffe aus, sondern fühlten nur mit klei¬ 
neren Patrullen vor.
	        
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