Volltext: Die Operationen des Jahres 1915 ; [1]. Die Ereignisse im Winter und Frühjahr (7. 1931)

M.AhWU. St. 24, 6® 3 
Führerivm 
Fast alle großen Männer eines Volkes haben, 
sich mit dem Studium der Geschichte beschäftigt und 
haben aus ihr die Leitgedanken ihres Tuns und 
Handelns abgeleitet. Insonderheit haben sie das 
Leben bedeutender Männer erforscht, da ihnen deren 
Entwicklungsgang soviel gegeben hat. Die Geschichte 
aller Zeiten und Völker hat genügend Beispiele ge¬ 
geben, wie ausschlaggebend bedeutende Männer die 
Geschichte ihres Volkes beeinflußt haben. Und hier 
sind es die Feldherren gewesen, die oftmals zugleich 
Staatsmänner waren. Das in 2. Auflage erschienene 
Buch: Führertum enthält die Lebensbilder hervor¬ 
ragender Feldherren aller Zeiten und Völker. In 
außerordentlich lehrreicher und gründlicher Weise ist 
hier das Werden und Wirken dieser Männer dar¬ 
gestellt worden, die von entscheidendem Einfluß auf 
die Entwicklung der Kriegskunst gewesen sind. Ihre 
Bedeutung soll im folgenden nur mit wenigen 
Worten gekennzeichnet werden, um auf das Lesen 
dieses so bedeutsamen Buches hinzuweisen und einen 
kurzen überblick zu gewähren. 
Aus der griechischen und römischen Zeit sind 
Epaminondas, Themistokles, Alexander der Große- 
Hannibal, Cäsar und Agrippa genannt. Die beiden 
ersteren haben die Wehrmacht ihrer Vaterstädte auf 
eine große Höhe gebracht, haben mit ihr Erfolge ge¬ 
habt, die aber nicht von Langer Dauer waren. Erst 
Alexander der Große führte die Kriegskunst in be¬ 
stimmte Bahnen und stellte die Schlachtentscheidung 
an erste Stelle. Trotz aller seiner Erfolge sind seine 
Staatenschöpfungen nicht von Dauer gewesen. In 
! der Person Hannibals vereinigten sich Feldherr und 
Staatsmann, der als Ziel seines Handelns die Vor¬ 
machtstellung Karthagos im Kampf mit Nom stellte. 
’ Trotz seiner hervorragenden Leistungen auf allen 
Gebieten erreichte er dies Ziel nicht, hauptsächlich, 
iveil er von seinen Mitbürgern nicht die nötige 
Unterstützung erhielt. Indem er die Phalanx zur 
Tresfentaktik entwickelte und den Gedanken der Ver- 
nichtungsschlacht, wie sie in Eannae zum Ausdruck 
kam, pflegte, wurde er der Schöpfer einer neuen 
Kriegskunst. Seine Gedanken entwickelte weiter Cäsar, 
groß als Feldherr und Staatsmann. Bei ihm war 
die Kriegskunst kein Schema, sondern er wendete 
alle Formen wechselnd und vielseitig an. Agrippa 
ist das Beispiel, wie ein umsichtiger, zielbewußter 
Feldherr den Lenker des Staates, Augustps, erfolg¬ 
reich unterstützen kann, wie beide von gleichen Ge¬ 
danken durchdrungen sein müssen. 
In den nächsten Jahrhunderten wies die Kriegs¬ 
kunst keine besonderen Merkmale der Entwickle:ng 
ans. Erst mit Georg von Frundsberg trat sie wieder 
mehr hervor, der als der Neuschöpfer der Lands¬ 
knechtsgruppe anzusehen ist. Er war kein Stratege, 
sondern ein Praktiker der Kriegskunst. Durch ihn 
hatte sich schon die Entstehung der späteren In¬ 
fanterie angebahnt, die nun von Moritz von Oranten, 
dem tüchtigen Führer, Organisator und Taktiker, 
weiter ausgebildet wurde. Er änderte die Kriegs¬ 
kunst der Antike nach den neuen Zeitverhältnifsen 
um und hat als Feldherr auf eng begrenztem Ge¬ 
biet Großes geleistet. Bisher waren es Söldner¬ 
heere, mit denen die Kriege geführt wurden. Den 
Anfang zu einem nationalen Volksheer machte 
Gustav Adolf von Schweden, der sein Feldherrntum 
mit staatsmännischer Klugheit verband und fein 
Land zu einer Großmacht erhob. In seinem gut 
organisierten und gut ausgebildeten Heer, dessen 
Kern aus Schweden bestand, führte er kleine, be¬ 
wegliche Einheiten und Gefechtssormen ein und 
wandte der überwiegenden Verwendung der Feuer¬ 
waffen seine besondere Aufmerksamkeit zu. Auch in 
England hatte im 16. und 17. Jahrhundert die 
Kriegskunst eine Wandlung erfahren. Hier waren 
es Drake, Blake und Cromwell, die die Wehrmacht 
neu schufen und ausbildeten. Die beiden ersteren 
legten den Grund für eine tüchtige, leistungsfähige 
Flotte, indem sie straffe Ausbildung, gutes Material, 
leichtere Fahrzeuge und bessere Bewaffnung ein¬ 
führten. Sie haben damit die Grundlagen für die 
späteren Erfolge der Engländer zur See geschaffen. 
Cromwell, tüchtig als Feldherr und Staatsmann, 
stützte sich auf ein gut bewaffnetes und diszipliniertes 
Heer, das ein milizartiges Freiwilligenheer war, der 
Vorläufer öer^ späteren Volksheere. In den See¬ 
kämpfen mit England war der bedeutendste Flotten- 
füyrer der Niederlande Nuyter, der eine tüchtige, 
fest gefügte Flotte geschaffen und mit seinen 
Linienschiffen und der Entwicklung der Schiffs¬ 
artillerie den Anfang zu einer stehenden Flotte ge- 
. *) Führertum. 25 Lebensbilder von Feldherren aller 
Zelten. Auf Veranlassung des Reichswehrministers Dr. Groener 
bearbeitet von Offizieren des Reichsheeres und der- Reichs¬ 
marine und zusammengestellt von Generalmajor v. Cochenhausen. 
2 durchges. Aufl. Mit 22 Bildn, und 8 Skizzen. E. S. 
Mittler & Sohn. Berlin. 1930. (XII, 401 6.) Er. 
Geb. 15 Ji.
	        
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