Literature

  • Konrad Schiffmann, Die Handschriften der Öffentl. Studienbibliothek in Linz [maschinschriftlich]. Linz 1935, 146, Nr. 179. [online]
  • Konrad Schiffmann, Die Handschriften der Öffentl. Studienbibliothek in Linz (nicht seitenkongruente Abschrift der maschinschriftlichen Fassung Linz 1935 als PDF-Datei mit Nachträgen und neuen Signaturen) [online]
  • Laurentius Casutt, Die Handschriften mit lateinischen Predigten Bertholds von Regensburg O. Min., ca. 1210-1272. Katalog. Freiburg (Schweiz) 1961, 24, Nr. 93.
  • Johann Baptist Schneyer, Repertorium der lateinischen Sermones des Mittelalters für die Zeit von 1150-1350 (Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters 43, 1-11). Münster 1969-1990, Bd. 1, Nr. 493.
  • Johann Baptist Schneyer, Repertorium der lateinischen Sermones des Mittelalters für die Zeit von 1150-1350 (Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters 43, 1-11). Münster 1969-1990, Bd. 4, Nr. 556.
  • Anna Reisenbichler, Beschreibung von Linz, Oberösterreichische Landesbibliothek, Cod. 265 (Schiffmann 179) im Rahmen des vom Forschungsfonds FWF finanzierten Forschungsprojektes 'Katalog der illuminierten Handschriften der OÖ Landesbibliothek: ca. 1220-1400' (P 26172). [online]

Description

Die vorliegende Beschreibung wurde im Rahmen des vom Forschungsfonds FWF finanzierten Forschungsprojektes „Katalog der illuminierten Handschriften der OÖ Landesbibliothek: ca. 1220-1400“ (P 26172, Leitung Dr. Katharina Hranitzky) verfasst. Die Beschreibweise richtet sich nach den Richtlinien, die im Rahmen der Katalogisierung der illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien erstellt wurden und denen auch die Beschreibungen im gedruckten „Katalog der illuminierten Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz“ (Bd. 1/1) folgen. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt der Beschreibung auf der Analyse und der kunsthistorischen Einordnung des Buchschmucks. Eine aktualisierte, gedruckte Version des vorliegenden Textes wird in Bd. 2 des gedruckten Linzer Katalogs publiziert sein.

Cod. 265

Medela animae vulneratae; Sermones (verschiedene Autoren)

Österreich, 1330


Pergament • I + 239 + I* Blätter • 22,5 x 16,5/17 cm • Lagen: I + VI12 + 18.IV156 + 4.VI204 + (V+1)215 + 2.VI239 + I*. Fol. 208 ist ein an f. 209 geklebtes Einzelblatt von etwas kleinerem Format (22 x 16 cm); das Vor- und das Nachsatzblatt ff. I und I* Fragmente von Handschriften mit Musiknotation (f. I aus einem Antiphonar, mit roten Notenlinien und Hufnagelnotation; f. I* aus einem Graduale, mit Neumen); die Blätter sind um die erste bzw. letzte Lage gelegt. Am Ende der Lagen unten mittig, in Tintenbraun, Kustoden in römischen Ziffern (in zwei verschiedenen Größen, Lage II ursprünglich zweimal gezählt, mit etwas dunklerer Tinte in der Folge richtig gestellt bis Lage VIIII, daher auch IIIII statt V) • Textualis (flüssig geschrieben),1 einheitlich, von der Hand des Schreibers Chunradus, datiert 1330 (s. ‚Entstehung und Provenienz‘). Mittelalterliche und neuzeitliche Randanmerkungen in Tinte und Metallstift. • Schriftspiegel: 17,5/18 x 12,5/13 cm, zwei Spalten, 42 Zeilen (f. 209r : 43 Zeilen); Linien des Zeilengerüsts in brauner Tinte gezogen.

EINBAND

Braunes abgeriebenes Leder über Holzdeckeln mit Blindprägung durch Streicheisen, auf dem HD Wurmlöcher; Gleink, 15. Jh. (s. im Folgenden); nur HD erhalten, VD und Rücken erneuert nach dem Vorbild des mittelalterlichen Einbandes. Ein Streifenrahmen mit dreifach gezogenen Linien, das Mittelfeld durch Raute, Diagonalen und Kreuzlinien (alle dreifach) geteilt. Auf dem HD Nagelspuren von Eckbeschlägen und einem größeren Mittelbeschlag in Form eines auf die Spitze gestellten Dreieckes mit welligen Konturen. Ehemals zwei Schließen, auf dem HD die beiden gravierten rechteckigen Gegenbleche (geprägte Metallrechtecke) erhalten. – Gleicher Einbandtypus wie z. B. Cod. 223, 290 und 503 (alle Benediktinerstift Gleink, vgl. ‚Entstehung und Provenienz‘; die jüngsten Teile in Cod. 503 sind in die 1460er Jahre zu datieren, s. die Beschreibung des Cod. 503 von Susanne Rischpler sowie S. Rischpler, in: Vielseitig! Spätgotische Bücherschätze aus oberösterreichischen Sammlungen. Ausst.-Kat., Luzern 2015, 54, Kat. 21). – Auf dem Rücken oben ein barockes Titelschild. Kapitale oben und unten mit grünem und rosafarbenem Garn umstochen. Schnitt gelb gefärbt. Spiegelblätter sowie zusätzliche Vor- und Nachsatzblätter neuzeitlich und aus Papier, jeweils um die erste bzw. letzte Lage gelegt.

ENTSTEHUNG UND PROVENIENZ

Der Schreiber der Handschrift nennt sich zweimal: auf f. 138vQui me scribebat Ch[u]nr[adus] nomen habebat (in Tintenbraun) – sowie im Kolophon f. 239v mit Datum 1330 – Finito libro sit laus et gloria Christo. Qui me scribebat Ch[u]nr[adus] nomen habebat. Anno Domini MCCCXXX in vigilia apostolorum Symonis et Jude completus est iste liber (in Rot). Darunter zweimal der zweizeilige Doppelvers Sorte supernorum scriptor libri pociatur / morte reproborum raptor libri moriatur, dabei die beiden Verse gemeinsamen Silben jeweils zwischen die beiden Zeilen und in Rot geschrieben (beim ersten Mal nicht ganz konsequent, daher darunter wiederholt); vgl. die gleich bzw. ähnlich lautenden und teilweise gleich notierten Verse in Bénédictins du Bouveret, Colophons de manuscrits occidentaux des origines au XVIe siècle. Bd. 6: Lieux anonymes (18952–23774) (Spicilegii Friburgensis subsidia 7). Fribourg 1982, 312 (21725), 495 (23391), 515 f. (23588–23 594, hier jeweils „superborum“ bzw. „malignorum“ statt „reproborum“).


1 Ich danke Dr. M. Roland (ÖAW) und Dr. M. Haltrich (Stiftsbibliothek Klosterneuburg) für ihre Hinweise.
Fol. 1r  die ersten drei Textzeilen nach dem Textbeginn Hic liber radiert und in der Barockzeit mit folgendem Text überschrieben: Authoris incerti Conradus vocabatur scriptor huius libri. – Spätestens seit dem 15. Jh. im Besitz des Benediktinerstifts Gleink (s. ‚Einband‘). Fol. 1r barocker Gleinker Bibliotheksvermerk Monasterii Glunicensis. Ebendort von späterer Hand mit Metallstift die Jahreszahl (?) 1642; die Zahl 642 (wohl dieselbe Jahreszahl) von einer schnellen Hand mit Metallstift auf ff. Iv, 116r und 169rv jeweils oben eingetragen (Benutzereinträge). Fol. Ir Eintrag ...magnus.

INHALT

Foll. 1r12v Medela animae vulneratae. Inc.: In principio narrationis mee illius gratiam... (vgl. M. W. Bloomfield, Incipits of Latin Works on the Virtues and Vices, 1100-1500 A.D. Including a Section of Incipits of Works on the Pater Noster [The Mediaeval Academy of America Publication 88]. Cambridge/Mass. 1979, 232, Nr. 2652: In principio narrationis nostre illius gratiam) – ff. 13r239v Sermonessammlungen; ff. 13r138v De Tempore (beginnend mit Peregrinus de Oppeln, In Adventu; s. Schneyer, Repertorium, Bd. 4, 548 [T1]); ff. 138v140v In Dedicatione Ecclesiae (beginnend mit Bertholdus Ratisbonensis; s. Schneyer, Repertorium, Bd. 1, 492 [C11]; zu den Predigten des Berthold von Regensburg in der Hs. s. Cassutt 1961, 24); ff. 141r239v De Sanctis, Inc.: Venite post me. Homines de nocte errantes multum gaudent (vgl. z. B. Göttweig, Stiftsbibliothek, Cod. 218/180, f. 90r, s. die Beschreibung in manuscripta.at unter dem Permalink http://manuscripta.at/?ID=36921, mit Hinweis auf J. B. Schneyer, Wegweiser zu lateinischen Predigtreihen des Mittelalters [Bayerische Akademie der Wissenschaften. Veröffentlichungen der Kommission für die Herausgabe ungedruckter Texte aus der mittelalterlichen Geisteswelt1]. München 1965, 507).

BUCHSCHMUCK

Rote Überschriften, rote Paragraphzeichen und Strichelung von Majuskeln. Einfache Zeigehände in brauner Tinte auf ff. 3v, 41v, 42v, 74v, 77r, 78r, 80r, 80v und 185v. Zu den Textabschnitten meist zweizeilige rote Lombarden, auf ff. 157r, 173v, 175r mit sehr flüchtigem Dekor (z. B. Begleitlinien) in Braun. Fol. 141v eine dreizeilige gespaltene Lombarde in Rot. Fol. 1r und 13r 2 unfigürliche Fleuronné-Initialen.

Für die Initialen ff. 1r und 13r wurde eine vier bzw. eine dreizeilige Aussparung freigelassen, die Buchstabenkörper reichen jedoch jeweils bis zum oberen Blattrand. Diese sind kopfstempelförmig rot-blau gespalten und formal übereinstimmend mit der sorgfältig gezeichneten, gespaltenen Lombarde in Rot auf f. 141v. Bei der Initiale f. 1r das Besatzfleuronné rot mit braunen Kernen, das Binnenfleuronné gegengleich braun mit roten Kernen. Bei der Initiale auf f. 13r das Besatzfleuronné einfärbig rot. Die Binnenfelder der beiden Initialen durch gerade Doppellinien symmetrisch geteilt; das in erster Linie aus spitzovalen Knospen bestehende Binnenfleuronné besonders auf f. 1r eher unsystematisch angeordnet. Das Besatzfleuronné besteht auf f. 1r aus Begleitlinien und Perlenreihen mit und ohne Kerne und mit Zwickelperlen sowie aus wegschwingenden Fäden mit Fibrillen; rechts oben ist es schwungvoll erweitert zu einem mit einem Trifolium sowie mit spitzovalen und runden Knospen gefüllten Außengrundzwickel. Fol. 13r das Außenornament aus einer Reihe von (stellenweise viereckig geformten) Perlen mit Zwickelperlen sowie aus einer größeren Eckknospe mit kreisförmigem Kern und einem blasenförmigen Motiv rechts oben gebildet. Bei beiden Initialen sitzt links oben außerdem ein mit einem Knospenbüschel gefülltes Besatzmedaillon; dieses jeweils der restlichen Initiale entsprechend f. 1r mit braunen Kernen, f. 13r ohne Kerne.

Vertikal verlaufende, eher grob gezeichnete Fleuronné-Leisten. In beiden Fällen sind sie auf einem mittigen blauen Faden aufgebaut, auf diesem sitzen beidseitig Kreissegmente, welche alternierend rot-blau und (f. 1r auf beiden Seiten, f. 13r nur außen) mit nagelartigen Stricheln besetzt sind, diese Strichel auf f. 1r entsprechend dem Binnenfleuronné z. T. braun. Die Kreissegmente enden meist in leicht gebogenen oder eingerollten Fadenausläufern, diese vereinzelt mit Punktverdickungen. Auf f. 1r sind die roten Kreissegmente durchgängig verbunden und bilden zu beiden Seiten des blauen Mittelfadens zwei zusätzliche Linien, unten braue Fadenausläufer.

STIL UND EINORDNUNG

Die beiden Initialen und die große Lombarde stammen sicherlich von einer Hand. Das Fleuronné ist stilistisch eher unspezifisch, so dass es aufgrund stilistischer Argumente bis auf weiteres nicht genauer eingeordnet werden kann. Der Typus der zweifarbigen Fleuronné-Leiste (ff. 1r und 13r) mit Kreissegmenten und Strichelbesatz ist im späten 13. und im 14. Jahrhundert sehr häufig anzutreffen. Auffallend sind jedoch die großen, nagelartigen Köpfchen des auf den Segmenten aufsitzenden Strichelbesatzes. Dies ist ein markantes Merkmal des Fleuronné-Besatzes von Cod. 265; es scheint sich um die Verknüpfung zweier Motive zu handeln: feiner, leicht gebogener Strichelbesatz („Wimpern“) auf den Segmenten und Strichelbesatz mit Nagelköpfchen, welcher direkt auf der Leiste aufsitzt; vgl. als beliebiges Beispiel Wien, ÖNB, CVP 393 (s. A. Fingernagel, M. Roland. Mitteleuropäische Schulen I [Veröffentlichungen zum Schrift- und Buchwesen des Mittelalters 10], 2 Bde. Wien 1997, Kat. 39, Farbabb. 13 und Abb. 137 f.).

Grundsätzlich ist als Entstehungsort von Cod. 265 (Ost-)Österreich naheliegend, eine genauere Lokalisierung ist momentan nicht möglich. In den in Linz erhaltenen Gleinker Handschriften finden sich keine stilistisch verwandten Initialen.

LITERATUR

Siehe die Liste oberhalb der Beschreibung

Beschreibung von Anna Reisenbichler, Erstfassung 16. 5. 2017

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