Full text: Die Zweierschützen im Weltkrieg 1914 - 1918 2. Heft (2. Heft / 1931)

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Wegen, 'die schon im Herbste Schwierigkeiten boten 
und manche Verluste an Tragtieren brachten, auch im 
Winter den Nachschub zu bewerkstelligen, zwang zur 
Anlage neuer Wege, die in Zukunft den gesamten Ver 
kehr über das Regimentskommando leiten werden. 
Heute schon führt ein zwei Meter breiter, präch 
tiger, kühn entworfener Weg in langen und deshalb 
wenig steilen Serpentinen am Rücken links vom 
Lawinengraben empor, erreicht, nach beiden Talfeiten 
die herrlichsten Ausblicke bietend, auf halbem Wege 
den Berghilfsplatz und steigt dann, auf mächtigen 
Stützmauern ruhend, in gleicher Breite bis zur Höhe 
des Regimentkommandos empor. Die Breite des 
Weges, der für kleine Fuhrwerke fahrbar ist und die 
aus festgestampftem, kleinen Schotter gefügte ebene 
Fläche, vermindern die Schwierigkeit des Nachschubs 
bedeutend. Erbauer des Weges ist Leutnant Ing. B u l- 
s o n. Bauleute waren die fleißigen Arbeiter der 
Militär-Arbeiter,-Wbtzeilung 48/3. 
An diesen Weg schließt sin im Bau befindlicher 
H o r i z o n t a l w e g, von gleicher Breite und gleicher 
Festigkeit an, der das Regimentskommando einerseits 
mit dem Tale, andererseits mit den Bataillonen ver 
binden soll. Der Weg, der zum großen Teile bereits 
fertig ist, hat zum Erbauer Jng.-Leutnant D o l l e n z. 
Die Leitung des Baues lag in den Händen dies 
Offiziers-^Stellvertreters B a u e r und der Regiments- 
Pioniere Zugsführor Grub maker und Zugsführer 
W i n d ft e t g. An den Horizontalweg schließt ein schon 
ausgebauter Weg an, der zum Bataillon Engels führt, 
ein anderer in Bau befindlicher Weg steigt von der 
Stelle, wo der Talweg den Horizontalweg trifft, die 
Höhe Kote 12 8 8 empor, traversiert eine 80 Meter 
hohe Steilwand und erreicht auf dem Rücken links vom 
Lawinengräben den alten Weg zum Bataillon Krauß. 
Zum linken Flügel wird eben vom Regimentskom 
mando ausgehend, ein breiter Weg gebaut. Dieser 
führt schräg den Hang abwärts- umkreist eine hinter 
der Kanonenhöhe liegende Rückfallskuppe und führt 
dann an der Reservestellung des Bataillons vobrei zum 
alten Wege. Alle diese Woge, deren Bauleiter Ingenieur- 
Leutnant Dollenz ist, werden ausgeführt von der beim 
Regimentsstabe eingeteilten Mannschaft. Sie sind zwei 
Meter breit, haben festen Unter- und Oberbau und 
eine geringe Steigung. Kleine Abteilungen der Reserve, 
deren Unterkünfte an den Wegen angelegt werden, 
sorgen für die Freihaltung des Weges im Winter, so 
daß der Nachschub selbst zur Zeit des größten Schnee- 
falles nicht behindert ist. 
Das Regimentskommando, das militärische Zen 
trum, das durch die Wegeanlagen auch zum wirtschaft 
lichen Zentrum geworden ist, bildet ein kleines Dorf 
für sich. Ein eigenartiges Bild, wenn man am weiß- 
überschneiten Hange, überragt von dem schneeumspon 
nenen Geäst der Baumkronen, plötzlich die dunklen 
Hütten kleben sieht. Jede Hütte ruht auf einem brei 
ten, oftmals meterhoch aufgebauten Plateau. Die ganze 
Anlage krönt der überragende Bau wes Regiments- 
komimandos, ein großes Blockhaus mit Blech gedecktem 
Giebeldache. Das Innere des Hauses gliedert sich in 
vier große, lichte Räume, die Kanzlei und die Wohn- 
räume des Regimentskommandanten und der beiden 
Adjutanten. Baumeister des Hauses ist Infanterist 
Landerding er, von Berns Baumeister. Ein Gang 
verbindet das Blockhaus mit der alter: Kommandohütte. 
Sie ist heute Ofsiziersmenage und enthält außerdem 
zwei kleine Fremdenzimmer. Unterhalb des Regiments 
kommandos liegt die Hütte der Telephon-Patrouille. 
Hier ist das Zentralnervensystem des weitläufigen 
Körpers unserer Stellung. Uber der Hütte kreuzen sich 
zahllose Telephondrähte, welche 24 Stationen und acht 
Dosentelephone mit der Zentrale verbinden. Unweit 
dieser Hütte steht die Telephonhütte der Artillerie 
gruppe, welche zum Teil eigene Telephonleitung hat. 
Um die Blockhäuser gruppieren sich die anderen, der 
Alpine „Bischofssitz" (Sitz des Feldkuraten, des Regi 
ments-Chefarztes und des Artilleriegruppenkomman 
danten). Die „Billa Pfadfinder" (Ordonnanzen), die 
„Villa Arbeitslust" (Pioniere), die „Akademie der 
Künste", ein Sanitätshilfsplatz, zwei Küchen, eine 
Dienerhütte und ein großes Verpflegsdepot. Selbst 
ein Bad, das „Marsbad" fehlt nicht, dessen Benützung 
allen Offizieren der Front zur Wohltat werden soll. 
Das Wasser zum Bade liefert die „Dollenzquelle", die 
aus dem Tale heraufgeleitet wird und die nie versiegt 
— wenn sie nicht eingefroren ist. An der rechten Seite 
des Hanges befindet sich die Schmiede und die Tisch 
lerei, etwas unterhalb eine Baracke für einen Zug. 
Breite Wege führen durchs die Kolonie, schmale Steige 
klettern zwischen ihnen als Verbindungspfade auf und 
ab. Die ganze Anlage von der außer der alten Kom 
mando-Hütte nichts vorhanden war, als das Landwehr- 
infanterieregiment 2 die Stellung übernahm, wurde 
allein von der Mannschaft des Stabes gebaut. Die vor 
züglichen Weg anlagen ermöglichen es, vom Regiments 
kommando aus mühelos die Bataillons-Abschnitte zu 
besuchen, denen die folgenden Kapiteln gewidmet seien. 
Abschnitt Major Krauß. 
Ein breiter Lawinengräben, mit grauen Felstrüm 
mern besäet und mit niedrigem Erlengestrüpp bewach 
sen, führt zwischen Lipnik und Teufelsfelsen ins Tal. 
Hier steigt in unzähligen Serpentinen der alte Weg 
zum Abschnitte Major Krauß empor, wendet sich aus 
dem Lawinengang nach links und erklimmt eine Rück- 
fallsknppe von Kote 1776, deren Höhezug von vorberei 
teten Aufnahmstellungen bekrönt rst. Der im Lawinen 
graben liegende Teil des Weges ist im Winter ungang 
bar, deshalb wird eben der schon erwähnte neue Weg 
gebaut, der in Serpentinen den steilen Waldhang der 
Rückfallskuppe bezwingt, auf der Höhe einer 80 Meter
	        

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