Full text: Oberösterreichische Bauerngeschichten. Erstes Bändchen (Erstes Bändchen / 1858)

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Er vergaß dabei, daß die klimatischen und Boden 
verhältnisse Spaniens andere als die der Welserhaide 
seien, er konnte es nicht erwarten, bis etwa die dazu 
berufene vaterländische Landwirthschaftsgesell- 
schaft die Sache erprobt hatte. 
Auf diese Weise ging denn so mancher schöne 
Gulden dahin. -- 
Der Gemcindeschreiber war ein Esel und ein 
Fuchs zugleich, er ließ den Leitengruber das Geld her 
geben und machte sich eine Art Berühmtheit dabei, 
freilich eine klägliche Berühmtheit! — Er pränumerirte 
z. B. auf die „ F r a u e n d o r f e r Blätter" mit 
des Bauers Geld auf seinen eigenen Namen und ward 
dadurch Mitglied des Gartenbau Vereins in 
Frauendorf; er verschrieb von dort und dort für i 
den Leitengruber Samen, Knollen oder Pflanzen — 
ward alsbald eorrespondirendes Mitglied &; 
dem Museum in 3£. schenkte er ein Buch — — das 
Ehren diplom ist da, vierteljährlich bezahlt der 
Leitengruber 1 fl. zu diesem oder jenem Verein für 
oder gegen Dieses und Jenes: — der Gemeinde- 
schreiber ist Mitglied. 
Er schreibt unter seinen Namen und das vergißt 
er nie — wenigstens zwanzig solche erkaufte Mit 
gliedergesellschaften und das gibt dem Gemeindeschreiber 
ein kurioses Ansehen. 
Und doch ist nichts dahinter! Er ward dadurch 
um kein Haar besser oder gescheidter, nur widerlicher 
durch seinen Dünkel. 
Wenn Ihr Männer von der Scholle ein 
Buch in die Hand nehmt, dessen Verfasser unter sei 
nen Namen ein solches Titelheer hinsetzen ließ — das 
legt getrost zur Seite — es ist selten etwas werth.
	        

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