Full text: Alpenländische Musiker-Zeitung Folge März 1935 (Folge März / 1935)

„Alpenländische Musiker-Zeitung“ 
all Ausnahmen gibt, auch Judasse gibt, die aus Egois— Wan lese, was Herr Schmidtner als Organ der 
mus nunmehr einem Zwangsverbande beitreten und KvWoe selbst mitteilt an die Landkapellmeister: 
dann glauben, daß sie monopolisiert sind, allein die „... Vach persönlicher Fühlungnahme bei den 
Musik betreiben zu können. Daß aber gerade in vielen Sprechtagen in Waidhofen und Amstetten gelten 
Fällen die schlechtesten Musiker dies waren, die sich ab jetzt für alle Arten von Musik nachsteh. Min— 
auf Grund dieser Anmeldung nun hinter das Gesetz dest-Richt-Tarife, die unter allen Umständen ein— 
berschanzten, wirkt am Lande geradezu komisch und zuhalten sind und keinesfalls unterboten werden 
ächerlich. Man könnte da Beispiele nennen, die in dürfen. Bereits getätigte Abschlüsse behalten ihre 
eine Faschingszeitung gehören würden. J Giltigkeit. Nichteinhaliung kann nach den Sat— 
Es sei folgender Fall geschildert, der sich unter zungen geahndet werden und sogar den Entzug des 
oielen zugetragen hat: Berechtigungsscheines ergeben. 
Ein MWusikverein in einem ziemlich großen Warkte Mindest-⸗Richt⸗Tarife. 
bestreitet in herkömmlicher Form die Spielgeschäfte im Konzerte: Einheitlich ein Eintritt von 80 Groschen pro 
Orte bei Umzügen, Aufmärschen, Hochzeiten, Konzerten Person oder ein Stundentarif v. S 2. — pro Mann. 
usw. Dieser Musikverein ist mustergiltig in Bezug auf Mindestbesetzung 15 Maun Blech, 10 Mann Ens 
Leistung. Ganz in der Nähe dieses Warktes liegt ein, b i a 
kleines Dorf. In diefem Dorfe ist eine kleine Kapelle Warschmusik: Zapfenstreich, Wecruß, Feldmesse, Ver— 
Der Leiter dieser Kapelle ist zugleich Gemeindevorste— einsempfänge, Festzüge etc. pro Mann und Stunde 
her und außerdem sehr gut situiert, Besitzer eines Gutes S2.. WMindestbesetzung 15 Mann und nicht 
und eines ziemlichen Vermögens. In letzter Zeit kam wenige. — 
es wiederholt vor, daß dieser Kapellmeister ganz wider Trauermusik: Ohne Rücksicht auf die Zeit pro Mann 
die übliche Sitte in einer wahren Schmutzkonkurrenz in Schilling 3.z2. ... 
dem besagten Markte als Musiker und Kapellmeister Waidhofen-Stadt bis 3. Graben u. Zell S 81. 
auftrat und die ortsüblichen Vergütungen des Musik— bis zum Friedhof S 97.— 
vereines in schmutzigster Art unterboten hat. Daraufhin Mindestbesetzung 15 Mann und nicht weniger be— 
vurde der Kapellmeister vom Verbande verwarnt und rechnen. — 
ihm mitgeteilt, daß satzungsgemäß ein Spielen in ande- Bälle und Tanz: Bei einer Zeit von 7 Stunden und 
ren Orten nur im Einvernehmen mit dem dort an— mindestens 8 Mann Besetzung ein Pauschal von 
ääßigen Kapellmeister erlaubt sei. Was geschah nun? Se 130.—, bei größerer Besetzung pro Mann und 
Dieser Kapellmeister meldete sich bei den Zwangsverbän— Stunde für Blech und Streich S 2. — pro Mann 
den an und ist nun „Berufskapellmeister“ geworden. und Stunde für Jazz S 2.50. Das Selbstinkasso 
Außerdem glaubt er nun, den Wusikverein im besagten des Tanzes ist aus den persönlich geschilderten Um— 
Warkte zu schädigen, daß er eine wahre Schmutzkon— ständen verboten und hat diese entweder der Ver— 
kurrenz betreibt. Wir fragen nun: Ist dieses Mitglied anstalter oder in dessen Namen eine verläßliche 
der KADe. jetzt imstande, auch bei den öffentlichen An— Person vorzunehmen! 
lässen im Vachbarorte kostenlos zu spielen? Glaubt Hochzeiten: Eine Mindestbesetzung von 8 Mann. Das 
ietzt wirklich dieser „Berufskapellmeister“‘“ ein Monopol sogenannte Weisetgeld ist mil dem Bräutigam mit 
zu haben und alleiniger spielberechtigter Kapellmeister zu mindestens S 1.— zu vereinbaren und als allge— 
bin? e sig ber die udaiser meiner Eintritt S .— mindestens. Uswp.“ 
ualitäten dieses „Kapellmeisters“ orientieren, da wür— Da am Lande die Verhältnisse ganz anders liegen 
de man seine Wunder erleben, Es besteht nur der Une als sie von reinen eh tarifmaßig angefehen 
lerschied. daß dieser Kapellmeister nun den „Berechtis derden, so kaun natürlich eine Darnachhaltung dieser 
gungsschein“ hat, aber nicht den Befähigungsschein! Tarife für das Land nie in Betracht kommen. Und wa— 
Dies ist aber Vebensache, denn die Hauptsache ist doch dum soll der Musiker das Selbstinkasso, wie es am 
die, daß dieser Kapellmeister seinen Beitrag entrichtet. dande überhaupt bei Tanzmusik seit undenklichen Zei— 
„Serrn Schmidtner aber sei gesagt: Diese Landkapelkl- ten üblich ift, nicht persönlich vornehmen? Warum oll 
meister. die sie als das Inkasso der Veranstalter oder eine „verläßliche Per— 
son“ vornehmen? Wir fragen anl!! I 
Nun kommt aber die Parallele zu diefem Verbot 
der 3 Landesgeschäftsstelle Niederösterreich. Horcht 
auf! —9 
Die Wusiker und der Kapellmeister haben nicht 
mehr das Inkasso vorzunehmen bei Bällen und Tän— 
zen, so wie es bisher üblich war. (KUOe.-Vorschrift.) 
Nun hat aber der Reichsverband seinerzeit die Weisung 
zusgegeben, es mögen auch bei Tanzmusik die Erträg— 
nisse in die Kasse der Musik fließen und der Musik— 
pereinskassier möge das Geld einheben, oder eine Ver— 
trauensperson des Vereines. Diese Weisung, die des— 
vegen gegeben wurde, um damit auch eindeutig zu be— 
weisen, daß die Erträgnisse der Musikverein verrechnet, 
wurde nun von der KUODe. so ausgelegt, daß damit 
eine Gesetzübertretung beabsichtigt sei. Wir können un— 
sere Weisung jederzeit rechtfertigen und öffentlich be— 
zründen. Wenn man aber in einem Glashause sitzt, 
dann möge man ja nicht mit Steinen werfen!“ 
Kreaturen der Musikvereinsvorstände 
bezeichnen, diese Kapellmeister haben zu ihren Musik— 
vereinsvorständen in den Landorten begründetes Ver— 
trauen, denn diese sind alle ehrenwerte Männer des 
gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens. Uns ist kein 
einziger Fall bekannt, daß ein⸗ Musikvereinsvorstand 
seinen Kapellmeister zu einer Kreatur macht. Oder meint 
Herr Schmidtner, daß ein Kapellmeister deswegen eine 
Kreatur ist, weil er bei allen kirchlichen und weltlichen 
Anlässen sein Können umsonst in den Dienst der Oef— 
fentlichkeit stellt? Wir am Lande haben eben eine 
andere Auffassung von MWusik als Herr Schmidtner, der 
ans die Segnungen eines Tarifes bereits gebracht hat 
und so eine Form gewerkschaftlichen Musizierens auf 
das Land bringen will, vor der uns Gott verschone! 
Bleibt denn das flache Land vor nichts verschont? 
Zuerst die Schlagerseuche! Die Negermusik! Die 
Entwurzelung! Und jetzt noch einen Tarif!“
	        
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