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2. Rednerische Ausbildung und beherztes Auftreten auch vor
größerer Versammlung.
3. Weckung des Eifers bei Schülern, Schulherren und Bürgerschaft.
4. Aufbesserung der Lehrerbesoldungen durch die „Verehrungen“,
die dabei für die Schulmeister abfielen.
5. Vertiefung des Verständnisses für die Kunstwerke der drama¬
tischen Dichtung — dies Ziel aber nur in gewissen Grenzen
und fast nur in Straßburg.1)
Schließlich ist nicht zu leugnen, daß bei den Aufführungen
lutherischer Schulmeister auch viel konfessionelle Polemik getrieben
wurde — auch ein Ziel, das namentlich in größeren Städten* 2) mit
mehr gebildetem Publikum vielfach zur Hauptsache wurde, wie wir
noch sehen werden.
Viele dieser Schuldramen standen auf einem ziemlich tiefen
Niveau.
Eine Zeit, die sich nicht scheute, z. B. die Colloquien des
Erasmus3) von Schülern darstellen zu lassen, fand sich auch nicht
bemüßigt, zarter zu sein als ihre Wortführer.
Prädikanten und Schulmeister, die in Scharen aus dem Reiche
kamen, ließen durch den Mund der Kleinen den Großen ihre
Meinung sagen und zwar, entsprechend dem Stile der Zeit, sehr
kräftig. Es wurde fleißig gespielt und die Buchführer sorgten für
den Stoff.
In diesem lateinischen Schuldrama, das rasch auch die Stifte
ip seinen Bannkreis gezogen hatte, erstickte das alte Mysterium und
in den Niederungen des Lebens wucherten die Ausläufer des Fast¬
nachtspieles in der Art Hans Sachsens fort.
Um die Mitte des Jahrhunderts hatte das Luthertum im Lande
gesiegt und ein paar Jahrzehnte später sich so gefestigt, daß die
Stände für den Adel, entsprechend den Mahnungen Luthers, eine
Landschaftsschule errichteten. An derselben wirkte u. a. Georg
L) E. Schmidt, Die Bühnen Verhältnisse des deutschen Schuldramas und
seiner volkstümlichen Ableger im 16. Jahrh. Berlin 1903, p. 19 f.
2) Der lateinische Schulmeister M. Albert in Wels, der nachweislich (um
1628) auch Stücke aufführte, mußte entlassen werden, weil er öffentlich un¬
gebührlich über die katholische Beligion redete. Bei dem Gesamtcharakter der
Zeit ist nicht anzunehmen, daß sich derlei Leute in ihren dramatischen Ver¬
anstaltungen völlig harmlos benommen hätten.
3) In der Basler Ausgabe vom Jahre 1523 und den folgenden. Neben
Ausfällen auf das Ordensleben enthielt dieses Buch auch ein „Gespräch eines
Jünglings mit einer Dirne“.
Börner, Die lat. Schülergespräche der Humanisten I., p. 88.