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Die Beschäftigung mit den lateinischen Komödien des Altertums
und der Renaissance hat um diese Zeit noch nicht auf die deutsche
Bühne eingewirkt, obgleich schon Ubersetzungsarbeiten erschienen
waren, die einen literarischen Wert beanspruchen dürfen.
Albrecht von Eyb, der uns auch als Pfarrer von Schwanenstadt
in Oberösterreich interessiert, war um 1455 in Pavia durch Rasinus
in das Verständnis der neu entdeckten Komödien des Plautus ein¬
geführt worden und verfaßte nach seiner Rückkehr als Domherr von
Eichstädt ein moralisches Werk, den Spiegel der Sitten, dem er als
Anhang die Menächmen, sowie auch eine der im Norden so beliebten
Frührenaissance-Komödien,1) nämlich Ugolinos ,,Philogenia“, beide
in deutscher Übersetzung, beifügen wollte. Doch er starb, ehe er
sein Werk in Druck geben konnte (1475). Erst 36 Jahre später ver¬
öffentlichte es ein anderer Eichstädter Domherr, Johann Huff, der
im Anhang außer den beiden erwähnten Komödien auch noch die
Bacchides mitteilte, von denen er gleichfalls eine Übersetzung in
Eybs Nachlasse vorgefunden hatte.* 2) Huflfs Ausgabe war auch bei uns
zu Lande verbreitet.
Diese Zeit stand ganz im Banne der schönen Form und fand
in wohllautenden Versen ihr lauterstes Vergnügen.3)
Aber mit dem Jahre 1521 legt es sich wie ein eisiger Hauch
auf die warmen Empfindungen der Herzen. Alles flieht aus dem
Lager des Erasmus in das Luthers hinüber und auch die Zurück¬
bleibenden werden gar bald von dem Lärm der aufgewühlten Zeit,
von den Meinungsstreitigkeiten der Theologen in dem Kultus ihrer
bisherigen Ideale gestört.4) Und wieder spiegelt sich auf der Bühne,
was die Zeit gebar. Eine neue Humanisten-Komödie, das Schul¬
drama entstand. Luther hatte in seinen Tischreden und sonst
gelegentlich die Nützlichkeit desselben betont, freilich beileibe nicht
im Sinne einer selbständigen Kunstbetätigung. Vielmehr schwebten
ihm und den Veranstaltern der Schulkomödien folgende Zielpunkte vor:
1. Beherrschung der lateinischen Sprache nebst Übung des Gedächt¬
nisses für die lateinischen Redeanwendungen.
*) Die Bibliothek des Stiftes St. Florian z. B. verwahrt Leonardo Brunis
(1370—1444) Comedia Poliscene in einem Leipziger Druck M. Lotters vom
Jahre 1514. Freilich läßt sich nicht mehr feststellen, wann das Buch ein¬
gereiht wurde.
2) Creizenaeh a. a. 0. III, Halle 1903, p. 246 f.
8) J. Qrünpeek z. B. bezeichnet seine Dramen ausdrücklich als „omnem
latini sermonis elegantiam continentes“.
4) K. Krause, Eobanus Hesse. Gotha 1879, II, p. 267 f.