Full text: Von Dante zu d'Annunzio

abschnitt, war keine sehr edle Erscheinung; aber immerhin: er bandelte 
doch wenigstens unter der Herrschaft einer Glaubensidee, einer fintieren, 
unmenschlichen, verblendeten; aber es war doch eine Spur von Geist 
darin. €r bat sicher in Dantes Hölle feinen Platz und vermutlich einen 
der schrecklichsten; aber die allerfurchtbarste Uerdammnis trifft Zweifel¬ 
los jene Scheusale, die mit ihrem schmutzigen Profitgeist die Gleit ver¬ 
pesten und aus dem ganzen zivilisierten Grdkreis eine einzige riesige 
Schacherbörse und Schwindelbank machen wollen. 
Aber zum Glück sind sie dumm wie alle Derbrecher. Sie haben 
in ihrem raffinierten Kalkül einen einzigen Hechenfehler gemacht, freilich 
einen katastrophalen: sie irrten sich in der menschlichen Natur. Sie 
wußten nicht, daß die realsten, ja die einzig realen Kräfte auf dieser 
Gleit die menschlichen ideale sind, daß man für Geld nur immer 
wieder Geld kaufen kann und sonst nichts. Die Menschheit ist kein 
Gelcbäftsunternebmen, keine G. m. b. H.. in der der Zahlungsfähigste 
König ist, sie ist aus geistigem Stoffe gemacht. Sie besteht nicht 
aus Saldo und Gonto, aus Debet und Credit, sondern aus Gedanken 
und Gefühlen. Der Mensch ist kein Spekulationsobjekt für gerissene 
Kulissiers, kein Stück Bankpapier, mit dem man Handel treiben kann, 
sondern eine Seele, ein sittliches Phänomen, ein Gedanke Gottes, 
ein Instrument, auf dem der Schöpfer spielt. Der Mensch ist kein 
Engländer. 
Oktober 1914 
18
	        
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