Full text: Von Dante zu d'Annunzio

3n dem Kopf und dem Herren des Mannes, der das Kunstwerk der 
deutschen Einheit schuf, war alles lebendig versammelt, was jemals 
den deutschen Damen groß und verebrungswürdig gemacht bat: die 
Kraft Kirchen zu stiften wie Luther, die Kraft Gei{teskämpfe zu schlagen 
wie Lessing, die Kraft Sytteme zu denken wie Kant. Und jener Krieg, 
der die Einheit schaffen half, war eine Symphonie, würdig eines Beet-- 
hoven, ein dramatisches Bedicht, würdig eines Goethe; auch er war 
ein Kunstwerk, ein Kunstwerk des großen Dichters Hellmuth von 
Moltke! „Militarismus"? (Denn das Militarismus ist, dann ist Mili¬ 
tarismus Philosophie, dann ist Militarismus Religion, dann ist Mili¬ 
tarismus der Inbegriff alles dessen, was den Aufenthalt auf diesem 
Planeten wünschenswert erscheinen läßt. 
Die Feinde hätten es freilich gern, wenn Deutschland aus zwei 
Hälften bestände: dem Deutschland der Dichter und Cräumer, das man 
geistig und materiell ausbeuten kann, und dem Deutschland der Sol¬ 
daten, das man verachten und womöglich schlagen kann. Es ist freilich 
vor vielen fahren einmal so gewesen. Aber dies mußte sich natur¬ 
gemäß im Laufe der Leiten ändern. Es war ganz unvermeidlich, daß 
das Deutschland der siegreichen Denker auch eines tages das Deutsch¬ 
land der siegreichen Armeen wurde. Ein üolk, das schon so lange 
moralisch und geistig herrschte, mußte schließlich auch militärisch und 
politisch herrschen. (Denn ein üolk in seiner Kunst das schöpferischeste, 
in seinem Handel das fleißigste, in seinem Mandel das ehrlichste, in 
seiner Arbeit das gediegenste und in seinem Denken das scharfsinnigste 
ist, so müssen alle diese Eigenschaften sich früher oder später auch auf 
den Krieg übertragen. Und heute gibt es denn auch in der Lat nur 
noch ein Deutschland, geeint in seinem Staat und in seiner Kultur, 
siegreich im Geist und siegreich mit den Massen, und immer wieder 
siegreich, weil es von Gott einmal so eingerichtet ist, daß der Beste, 
der Frömmste, der Klügste, der Lüchtigste siegen soll. 
An Bernard Shaw aber wäre es, zu beweisen, daß es nicht 
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