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Sonntag, 30. Juni 
Die Burgel ist da im gelben Gras gehockt 
wie ein sturmzerzauster Rabe. Die Hände sind 
ihr glatt am Leibe niedergefallen und das 
Herz hat schier zu schlagen ausgesetzt. Zum 
erstenmal, seit sie im Ehestand ist, hat ihr 
stiller, zufriedener, gefaßter Mann sie hart an- 
|| lg gelassen und seine Augen haben sie angeblitzt, 
wie wenn er ihr Feind wäre. 
[ , Nie zuvor hat es ein ungutes Mörtel 
[ zwischen den beiden gegeben. 
Z'wider ist sie ihm, sie, die ihr Herzblut 
für Mann und Kind bereit hält! Wie oft hat 
der Sepp gesagt: „Wir sind arm, Burgel, aber 
HWI der Frieden ist das höchste Gut, deu soll uns 
wmm keiner nehmen!" Und nun zürnt der Sepp mit 
ihr, weil sie den Mördern ihres Kindes Böses 
mit Bösem vergalt. 
Sic kauert sich immer tiefer in sich hinein 
und vergräbt das arme Gesicht in den knochigen 
Fäusten. Fremd ist sie geworden auf der Welt 
und unter den Menschen durch ihr übergroßes 
Leid. Selbst der eigene Mann kehrt sich 
wider sie. 
Das Grab ist die einzige Stätte, da ihr 
noch wohl fein könnt'; herzbrechend schluchzt 
8M sie auf. 
Der Webersepp schaut sein Weib an und 
es erbarmt ihn doch über sie. Er erkennt ihre 
Schlosse große, große Verlassenheit und ihren entsetz« 
„ liehen, abgrundtiefen Jammer. Das einzige Kind! 
unbeten Leicht mag eine Mutter das nicht verkraften. 
'' Linz.) „Geh her, Burgel, schau mi wieder an! 
Hab's nöt so arg bös gemeint. I hab' nur 
denkt, daß unser Herrgott die Feindesliab von uns will. 
Hat er doch vom Kreuz herab seinen Mördern ver¬ 
geben." 
Weich, lieb unb herzlich ist des Mannes Stimme, 
wie sie zu Burgels Brautzeit war. Seine warme Hand 
legt sich auf bie Schulter ber Burgel. 
Da lösen die harten, starren Felsen sich in des 
Weibes Brust unb sie muß weinen, weinen. Zum ersten¬ 
mal, seit sie vom herben Leiben unb Sterben ihres 
Angriff der Deutschen auf ein von Kngtändern öesetztes Aorf in Mandern
        

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