Full text: Die Kriegsführung im Herbst 1916 und im Winter 1916/17 : vom Wechsel in der Obersten Heeresleitung bis zum Entschluß zum Rückzug in die Siegfried-Stellung (11. 1938)

Wachsende Schwierigkeiten. — Vorbereitungen für 1917. 
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straßen auch die gesamte Kohlenbeförderung mehr und mehr von der Eisen- 
bahn bewältigt werden mußte und dieser Zustand bei der Strenge und Länge 
des Winters sich weit über die sonst übliche Zeit ausdehnte. 
So verschärften Ernährungsnot, Rohstoffknappheit und Transportkrise, 
die insbesondere auch die Versorgung der Bevölkerung mit Heizstoffen ge¬ 
fährdete, die Lage in bedenklichem Maße. Sie hatten ihre Ursache letzten 
Endes in der immer fühlbarer werdenden Wirkung der feindlichen Blockade 
und dem nicht minder empfindlichen Mangel an Arbeitskräften. 
Wenn auch die Truppen an der Front unter diesen Schwierig- 
keiten einstweilen nicht wesentlich zu leiden hatten, so konnten sie ihnen 
doch nicht verborgen bleiben und drückten naturgemäß auch auf die 
Stimmung. Ob in dieser Lage das Friedensangebot statt als Kundgebung 
eigener Kraft nicht mehr als Zeichen von Schwäche aufgefaßt wurde, ob 
seine schroffe Ablehnung durch die Gegner entmutigend gewirkt hat oder 
mehr in der Richtung einer Stärkung des Willens zu äußerstem Wider- 
stand, ist schwer und wohl kaum einheitlich zu entscheiden'). 
Alles in allem befand sich das Heer nach zwei Iahren ununterbrochenen 
Kampfes gegen Übermacht in einem Zustande, der zur Wiederherstellung 
der Schlagkraft Ruhe, Ausbildung und Festigung der Mannszucht 
dringend nötig machte. „Die Anstrengungen des Jahres 1916" — so 
urteilte General Ludendorff nach dem Krieges — „waren zu groß gewesen. 
Die Spannkraft der Truppen hatte in dem Stillhalten der Verteidigung 
unter dem gewaltigen feindlichen Artilleriefeuer und durch eigene Verluste 
nachgelassen. Wir.waren an der Westfront vollständig erschöpft." 
Die Aufgaben aber, die im kommenden Frühjahr bevorstanden, schienen 
riesengroß; denn mit dem Abschluß der Somme-Schlacht und der Nieder- 
werfung Rumäniens war nur die schwere unmittelbare Krise überstanden, 
in der Generalfeldmarschall von Hindenburg und General Ludendorff die 
Leitung der Operationen übernommen hatten. Beide waren sich von Haus 
aus klar darüber gewesen, daß — wenn es nicht gelang, inzwischen zum 
Frieden zu kommen — im Jahre 1917 ein neuer, vielleicht noch gewaltigerer 
Ansturm aller Gegner zu erwarten sei. Deshalb hatten sie sofort begonnen, 
neben der Leitung der laufenden Operationen und ihrer Nährung mit 
immer neuen Kräften, alle Vorbereitungen für diesen kommenden Kampf 
zu treffen, der — wie sie als wahrscheinlich annahmen — der kriegsent- 
scheidende Endkampf sein würde. Neben dem bereits geschilderten sonstigen 
Rüstungsprogramm3) wurden die Neuaufstellung weiterer Divisionen und 
-) Vgl. S. 171 f. 
2) „Kriegserinnerungen" 6.230. 
3) S. 30 ff. 
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