Full text: Die Kriegsführung im Herbst 1916 und im Winter 1916/17 : vom Wechsel in der Obersten Heeresleitung bis zum Entschluß zum Rückzug in die Siegfried-Stellung (11. 1938)

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O. 5>. L-: Entwicklung der Gesamtlage. 
Winter 1916/17. zwar dadurch ihrer gefährlichsten Wirkungen entkleidet, daß die Bevölkerung 
sich teils einsichtig, teils murrend mit dem Ersatz von Kartoffeln durch 
Kohlrüben abfand und über die Notlage hinwegtäuschte. Eine ernste Frage 
blieb aber neben ausreichender Versorgung des Heeres die der Arbeiter- 
schast, vor allem in der Nüstungsindustrie. Ihre Leistungsfähigkeit und ihre 
Stimmung begannen unter den Einschränkungen zu leiden. Im November 
mußte das Heer der heimischen Wirtschaft eine Aushilfe an Fett zur 
besseren Ernährung der Rüstungsarbeiter zuführen. Genexalfeldmarschall 
von Hindenburg richtete einen Appell an den Opfergeist der Landwirtschast, 
in dem er zu freiwilligen Spenden aufforderte. Das Ergebnis der für die 
„Hindenburgfpende" eingeleiteten Sammlung blieb aber weit hinter den 
Erwartungen zurück, blieb ein Tropfen auf den heißen Stein, bis im Früh- 
fahr 1917 die Versorgung der „Schwerst- und Schwerarbeiter" besonders 
geregelt wurde. Das aber war nur auf Kosten der übrigen Bevölkerung 
möglich. 
Bei der Durchführung des Rüstungsprogramms zeigte 
sich neben der Schwierigkeit, die nötigen Arbeitskräfte zu beschaffen') und 
ausreichend zu ernähren, zunehmende Knappheit an Rohstoffen 
jeder Art. Sie wuchs mit der Steigerung des von der Heeresleitung Ge- 
forderten. Die Zwangswirtschaft mußte auf alle kriegswichtigen Stoffe 
ausgedehnt werden. Sie erfaßte nächst der Kohle insbesondere Eisen und 
Stahl, die nicht nur unmittelbar für Kriegsgerät, sondern vorerst auch für 
die zu dessen Herstellung erforderlichen Fabrikbauten und Maschinen in 
unvorhergesehenen Mengen gebraucht wurden. Außerdem mußte ein Uber¬ 
schuß für die Ausfuhr bleiben, um kriegswirtschaftlich unentbehrliche andere 
Güter einzuhandeln. Diese Einfuhr wiederum war jetzt erschwert durch die 
Kriegserklärung Italiens an Deutschlands, die einen der wenigen bisher 
noch offenen Wege verschlossen hatte. Einfuhr war künftig nur noch über 
die Schweiz, über Holland und vor allem aus den nordischen Staaten mög- 
lich, wurde aber auch hier durch die Maßnahmen der Gegner immer mehr 
eingeengt. 
Wachsende Vetriebsschwierigkeiten bei der Eisen- 
bahn kamen hinzu. Das rollende Material, besonders an Lokomotiven, 
war nach zwei Iahren Krieg bei Mangel an Arbeitskräften, aber auch an 
manchen unentbehrlichen Rohstoffen und daher unzureichender Instand- 
setzungsmöglichkeit in einem Maße abgenutzt, das die Leistungen in bedenk- 
lichem Amfange herabdrückte. Die daraus entstandene Transportkrise wurde 
durch die erhöhten Anforderungen des Rüstungsprogramms noch gesteigert. 
Sie wurde besonders ernst, als mit dem winterlichen Zufrieren der Wasser- 
») 6. 34 ff. — -) ©.50.
	        

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