Volltext: Illustrierte Geschichte des Weltkrieges 1914/15. DritterBand. (DritterBand)

Illustrierte Geschichte des Weltkrieges 1014/Io. 
sausend näher und schlug nur 280 Meter vom Viadukt 
entfernt in den Boden. Es war ein 155-iviv-Gefchotz, das 
unter furchtbarem Donner explodierte und ein gewaltiges 
Loch in die Erde ritz. Abermals arbeitete hoch oben in der 
Luft die drahtlose Telegraphie. Drüben stellten die Kano 
niere ihr Visier richtig, und die Zweite Granate kam diesmal 
dem Viadukt schon um 80 Meter näher, so datz die ex 
plodierenden Eisenteile stellenweise die Eerüststangen der 
Pfeiler losrissen. Aber noch hielten die Flieger über de.m 
Viadukt — unsere Artillerie wutzte, datz sie dem Ziele wohl 
näher gekommen, es aber doch noch nicht erreicht hatte. 
Einige Minuten vergingen, dann heulte die dritte Granate 
durch die Luft. Sie war ein Volltreffer, der mitten in einen 
Pfeiler des Viadukts sauste. Solch fabelhafte Treffsicher 
heit erregte selbst bei den Offizieren des französischen 
Generalstabes hohe Bewunderung, und voll banger Sorge 
wartete man die Wirkung dieses Meisterschusses ab. Da 
erfolgte plötzlich — so berichteten Schweizer Augenzeugen — 
Tagen des Juli fertiggestellt war. Allein unseren wachsamen 
Fliegern war die Tätigkeit des Feindes nicht entgangen; 
sie hatten ihn aus der Luft fast tagtäglich beobachtet, nur 
wollten sie ihn in seiner Arbeit nicht stören. Kaum aber 
war das Werk vollendet, da legten es, wie aus dem Grotzen 
Hauptquartier gemeldet wurde, schon am 9. August einige 
Volltreffer unserer Artillerie ebenfalls in Trümmer, wie 
wenige Monate vorher den grotzen Viadukt von Dammerkirch. 
Die französische Geschüßfabrik 
von Schneider & Co. in Le Creusot. 
Von Major a. D. Schmahl. 
(Hierzu das Bild auf dieser Seite.) 
ähnlich wie wir in diesem Kriege alle Betriebe, beson 
ders diejenigen, die Lurusarbeiten herstellten, so schnell als 
möglich in Werke zur Erzeugung von Heeresbedarf um- 
Phot. Bert. Jllustrat.-Ges. m. b. H. 
Das Hüttenwerk für große Geschosse in der französischen Munitionsfabrik von Schneider & Co. in Le Creusot. 
eine furchtbare Detonation, die Erde erzitterte weithin, 
und man sah, wie bei einem Erdbeben, zwei der hohen 
Pfeiler des Viadukts wie dünnes Rohr schwanken und 
donnernd nach beiden Seiten zusammenbrechen. Als Rauch 
und Staub sich verzogen hatte::, ragten auf eine Strecke 
von über 100 Metern die Pfeilerreste des stolzen Bau 
werks aus Schutt und Trümmern in die Luft. So war 
in kaum einer halben Stunde mit wenigen Schüssen das 
Ergebnis monatelanger angestrengter Arbeit vernichtet 
worden. Gewiß eine glänzende Leistung der deutschen 
Artillerie, die durch den Aufklärungsdienst der rührigen 
und entschlossenen Flieger eine geradezu ausschlaggebende 
Bedeutung im Kriege gewinnt. 
Da die Wiederherstellung des so gründlich zerstörten 
Viadukts abermals monatelange Arbeit erfordert hätte 
und doch jederzeit durch die deutsche Artillerie vereitelt 
werden könnte, so suchten die Franzosen die Larg durch eine 
Umgehungsbahn unterhalb Dammerkirch bei Monsbach zu 
überbrücken. In größter Eile hatten dort ihre Ingenieure 
eine starke Betonbrücke aufgeführt, die schon in den letzten 
wandelten, was dem deutschen Anpassungsgeschick (vgl. 
meinen Aufsah „Krieg und Volkswirtschaft"jBand 1 Seite 201) 
auch in vorbildlicher Weise gelang, so hatte die große franzö 
sische Revolution aus der 1784 gegründeten Kristallfabrik zu 
Le Creusot eine Kanonen- und Kugelgießerei gemacht. 
1832 wurde die Kristallfabrik, mit der von Baccarat — 
zwischen Luneville und Kolmar gelegen — vereinigt. Wir 
dürfen aber wohl einen inneren Zusammenhang zwischen jener 
Umwandlung der Sansculotten und den 1837 von Schnei 
der & Co. gegründeten Stahlwerken in Le Creusot vern:uteN, 
die einen ganz gewaltigen Aufschwung nahmen und fast 
immer bei der Vergebung von Eeschützlieferungen im Aus 
land die erbitterten Nebenbuhler der Kruppwerke waren, 
über die sie, von ihrer diplomatischen Vertretung und 
„reichlich rollendem Rubel" freudig unterstützt, so manches 
mal den Sieg davontrugen. 
Le Creusot liegt ein wenig nördlich der Luftlinie Lyon- 
Paris, auf einem Drittel der Strecke, und zwar genau westlich 
des Südendes des Neuenburger Sees, genau südwestlich von 
Mülhausen, von wo aus es in zwölf Tagemärschen zu er-
	        
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