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Schauspielhaus, zu dessen Herstellung die für die schwer getroffene
Stadt unerschwingliche Summe von 470 fl. 2Q1/2- kr. notwendig
wäre, für die Zukunft als zur Aufführung von Theatervorstellungen
ungeeignet erklärt und die Herstellung einer andern, von der Stadt
ganz unabhängigen Schaubühne veranlaßt werden. Dazu sei die
Landesvertretung oder der Kaiser um einen ausgiebigen Beitrag zu
bitten. Die Stadt könne nicht zu einem Theaterneubau gezwungen
werden, da ein solcher nicht nur der Stadt sondern dem allgemeinen
Wohle diene. Jedenfalls sei aber der jetzige Platz durch seine Lage
am Ende der Stadt und die stete Überschwemmungsgefahr durch¬
aus ungeeignet.
Diese Eingabe leitete das Gubernium an die Stände und als
Josef II. im selben Jahre in Linz weilte, trug man auch ihm die
Sache vor. Das Projekt, neben dem Redoutensaale das Theater zu
bauen, fand seine Billigung. Mit Handbillett aus Steyr vom 9. Oktober
1786 gab er dem Wunsche Ausdruck, es möge das Theater seiner
Länge nach nicht Gassenfront bilden, sondern in den Garten hinein
zu stehen kommen; das Tor am Ende des kleinen Redoutensaales
sei abzubrechen und statt dessen eine Gasse bis an die Reitschule
herzustellen, um die Zu- und Abfahrt um das ganze Theater zu
bekommen.
Am 16. Oktober 1786 erstatteten die Stände an die Re¬
gierung den verlangten Vorschlag. Sie seien, hieß es darin, in Er¬
wägung, daß in allen Hauptstädten der Erbländer mit kaiserlicher
Genehmigung zur gesitteten Unterhaltung und gemeinschaftlichen
Zusammenkunft aller Stände zumeist durch ständische Unterstützung
Schauspielhäuser erbaut worden sind, mit dem geplanten Bau ein¬
verstanden. Der Platz neben dem Redoutensaale sei dazu sehr ge¬
eignet, weil man dort Gelegenheit habe, während der Vorstellung
sich in den Saal oder in den Garten zu begeben oder auf der
Wallpromenade sich zu ergehen. Die Kosten betrügen 25.421 fl.
46 kr. und wäre die Allerhöchste Bewilligung darüber einzuholen,
diese Summe aus dem Domestikalfonds gegen 31/2% Verzinsung
beschaffen zu dürfen. Dieses Kapital wäre mit 1200 fl. jährlich
derart zu amortisieren, daß von dem Impresario für die Benützung-
des Theaters jährlich 400 fl., für die Abhaltung der Bälle etc. 300 fl.
und die restlichen 500 fl. aus dem Innviertler Extra-Domestikal-
Steuerfonds gezahlt würden.
Allein der Bau kam auch diesmal nicht zustande. Ein Hof¬
billett vom 13. Kovember 1786 trug nämlich den Ständen folgen¬
des auf: Zuerst sind die Erweiterungsbauten bei den barmherzigen.