Volltext: Th. 2 [=B. Besondere historische Notizen über Schärding], H. 2 (Th. 2, Heft 2, 1888)

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Auflösung entgegen; im Jahre 1813 gaben die Neuburger ihr Bürgerrecht auf 
und schlossen sich der Landgemeinde Tummelstadel an. Bis zum heutigen Tage 
werden die Bewohner von Neuburg, sowie die der ehemaligen, bis gegen Vils- 
hofen und Holzkirchen hinaufreichenden Reichsgrafschaft „Grafschaftler" benamset. 
Ueber die Vergänglichkeit und Hinfälligkeit alles Irdischen, auch des 
scheinbar Großartigen ernst gestimmt, verlassen wir Neubnrg und steigen ans einem 
steil abschüssige» Wege gegen das Jnufer wieder zn einer längs des Ins sich 
ausbreitenden, 19 Häuser zählenden Häuserreihe, geheißen „in der Leiten". 
Ans diesem Wege präsentirt sich das am jenseitigen Ufer, am Fuße steiler 
waldbewachsener Bergabhänge gelegene Wernstein in einer eigenthümlichen Gestalt 
und Lage, wie ein allerliebst romantisch sich darstellendes Krippenbild. In der 
Niederung angelangt, besteigen wir einen Nachen, um uns über den hier ruhig 
und ernst dahinwogenden Strom aus Oesterreichs Boden überschiffen zu lassen. 
Hier fallen uns vor Allem die Ruinen des ehemaligen Schlosses 
Wernstein 
ans, das so kühn und trotzig über einem senkrecht aus dem Strome emporragenden 
Felsen hingebaut, mit hohen Mauern und tiefen Gräben umschlossen war und noch 
die Merkmale der Zugbrücke trägt. Durch eine im Jahre 1856 vorgenommene 
Demolirnng des Hauptgebäudes hat das Schloß seine antike Form eingebüßt und 
ist zur vollen Ruine geworden, welche durch die fortwährenden Adaptirnngen noch 
mehr zerbröckelt und zersetzt wird. H 
Das Schloß Wernstein war niemals Eigenthum und Sitz einer eigenen 
Adelsfamilie, sondern immer ein Appcrtinens zu Neuburg; es wurde von Burg- 
hütern bewohnt und diente zugleich als Mautstätte. Weil die Herren Schmelzing 
längere Zeit als Mautner daselbst fungirten, so erhielten sie im Jahre 1645 das 
Adelsprädikat „von Wernstein". 
Im Jahre 1805 wurde das Schloß Wernstein an Private veräußert und 
ein Theil desselben an das k. k. Zollamt vermiethet, bis für selbes im Jahre 1843 
neben dem Pfarrhofe ein eigenes Etablissement zugerichtet wurde. 
In diesem Schlosse befand sich unter Georg Ludwig Grafen von Sinzen- 
dorf nebst der Gold- und Silberdraht-Fabrik auch die Münzstätte, welche des 
Hanns Fuchs sel. Erben von Passau zurichten ließen, später aber, im Jahre 1664 
hiefür nahe am Friedhofe ein eigenes Haus erbauten, das im Verlaufe der Zeit 
in eine Papier- und Pappendeckel-Fabrik umgewandelt wurde. 
Nahe am Eingänge zum Schlosse, dem Jngestade zu, erhebt sich die 
zwölf Klafter hohe Marmorsäule mit der Statue der unbefleckten Jungfrau Maria, 
welche der vorgenannte Graf Georg Ludwig von Sinzendorf im Jahre 1667 von 
Wien hieher führen und aufstellen ließ. 
i) Von den beiden Festen: Neuenfels in der Nähe der schwarzen Säge und Wim¬ 
berg in der sog. Neuhauserleiten, welche schon um 1650 verfallen waren, sind nur noch die 
Lagerstellen ersichtbar.
	        
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