Full text: Der Weltkrieg und die politischen Gedankengänge Europas [30]

Naturgebietes nicht achtlos vorübergegangen werden? Gegen 
Süden und Osten durch Gebirgsketten abgesperrt, durch die 
Mvrawa, dre wichtigste Flußader des Landes, dem Stromge¬ 
biete der Donau einverleibt, schaut Serbien mit offenen Augen 
m die ländlichen Reize nachbarlicher, stolzer Größe und verlangt 
mit begreiflicher Sehnsucht seinen Anteil an dieser Größe, die 
m seiner unmittelbaren Nähe wenigstens, von seinem eigenen, 
chm entfremdeten Volkstum aufrecht erhalten wird. In dieser 
Frage würde vielleicht eine billige Anerkennung gemäßigter 
Ansprüche eines unruhig nach Befriedigung seiner programma¬ 
tischen Wünsche lechzenden Nationalitätenprinzips geeignet 
sein, em von unvergänglicher Dankbarkeit befestigtes Treue- 
verhältnis anzubahnen, das dem Szepter des Hauses Österreich 
oder des Hauses Habsburg-Lothringen, wenn man es so nennen 
will, warmherzige Bürgschaften einer ungestört segensvollen 
Wirksamkeit zu sichern vermöchte. 
Anders scheinen die Dinge in der polnischen Frage zu 
liegen, von deren Lösung, insbesondere was Galizien betrifft, 
wo sich die Monarchie um keinen Preis ein zweites Venetien 
um den Hals legen darf, je nach dem Verständnisse für Veräste¬ 
lungen zukunftsmöglicher Entwicklung eine wohl- oder nach¬ 
tuende Rückwirkung.,dieses vorsichtig ans Licht zu hebenden 
Staatsgebildes auf Österreich-Ungarn ihren Ausgang nehmen 
Aber wie immer auch die Würfel fallen mögen und, 
wenn auch gemäß umsichtiger Erwägungen, die sich dem hier 
eingeschlagenen Gedankengange nicht zu erkennen geben, 
— das sichtbarste Zeichen des Sieges gibt sich in der eisernen 
Faust zu erkennen, die diese und noch etliche andere Würfel 
entscheidend umklammert hält. Es ist die Faust an der Donau 
und am Rhein. 
Aber was die Hauptsache ist: Wir haben nicht umsonst 
gelitten, geblutet und begraben. Tausende von Existenzen 
sind aus ihrer Bahn geworfen, Invalide wanken in ihre ruhm- 
ß^ronte, dürftige Zukunft, blühendster Menschenfrühling, 
fruchterelfster Menschensommer verwelken im Dunkel aufge¬ 
worfener Hügel, aber derselbe Boden, dem soviel sehnsüchtige 
Liebe in die Tiefe folgt, trägt unversehrt ein heißgeliebtes 
-Vaterland, das so viel Liebes verschlungen hat und kostbarer 
geworden ist denn je. Und so ist bis in die ärmste Hütte dem 
Schmerze und der Not die Stimme stolzen Gemeinsinnes 
gefolgt, der es erfaßt hat, was uns bevorstand, uns gelehrt hat, 
wie es abzuwenden ist, und, wenn der Friede ins Land ziehen 
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