Full text: XIV. Jahresbericht des öffentlichen Mädchen-Lyzeums in Linz 1903 (14. 1903)

den Lindruck des Wunderbaren, des Staunenswerten empfängt und die 
Empfindung hat, als müßten da Geisterhände im Spiele stehen. Reine 
Beschreibung oder Erklärung vermag diese Anschauung zu ersetzen. 
Ich habe damit einen Hauptanziehungspunkt herausgehoben; es wurde 
in Wirklichkeit ganz methodisch vorgegangen. Zuerst wurden die Setzersäle 
besucht, dort die verschiedenen Typen mit ihren eigentümlichen alten Namen 
kennen gelernt und die Arbeit des Setzers beobachtet, bis ein Nahmen mit 
dem Satz gefüllt war. Dann wurde mit regstem Interesse der Guß beob- 
achtet und schließlich sahen wir, wie die gegossenen Halbzylinder der Ma- 
schine eingefügt wurden und diese nun ihre märchenhafte Heinzelmännchen- 
arbeit begann. Daneben aber war noch so manches zu sehen: Bild- und 
plakatdruck, Papierschneide-Maschinen, das Auseinandernehmen des ge- 
brauchten Satzes u. dgl. 
Was ist nun der Nutzen dieser Besichtigung? Tausende nehmen 
gedankenlos abends ihr Blatt zur Hand und vertiefen sich in den Genuß 
ihres Leibjournals; zahllose Rinder sehen die umfangreiche Zeitung in den 
fänden der Eltern oder haben selbst ihre Zeitschriften. Wer aber denkt dabei 
auch nur einen Augenblick an die Arbeit, die erforderlich ist, um das her- 
zustellen, was man am nächsten Tage schon meist achtlos beiseite wirft? Wer 
aber einmal dabei gewesen ist, wer einmal gesehen hat, wie sich die Hände 
regen müssen „im lebendgen Bund", wie viel Arbeit, Sorge, Mühe und 
gespannte Aufmerksamkeit an den bedruckten Blättern haftet, der wird, wenn 
er auch nicht täglich daran denkt, doch manchmal sich daran erinnern oder 
gelegentlich andere aufklären, die es nicht wissen. Und das ist ein Gewinn, 
ein bleibender Erfolg solcher Exkursionen, das fördert zum mindesten ein 
ethisches Gefühl: die Achtung vor der Arbeit! 
II. Das Euchgeweröe. 
Hat das Vorstehende den Zweck gehabt, zu zeigen, wie die Herstellung 
einer großen Tageszeitung praktisch und ethisch dem Unterrichte dienstbar 
gemacht werden kann, so wollen wir nun Ähnliches an dem Buchgewerbe 
zeigen. Der Schüler hat sein modernes Lehrbuch in der Hand, er sieht es 
alle Tage, bemerkt den festen, glatten oder verzierten Einband, den be- 
druckten Buchrücken, die Drahtheftung, die Marmorierung der Schnittflächen 2c.; 
daneben hört er im Unterrichte aus alten Zeiten erzählen von den Papyrus- 
rollen der grauen Vorzeit, er sieht die schweren Folianten des Mittelalters, 
er bewundert in den Schaufenstern der Buchläden die modernen farbigen 
und siguralen Einbanddecken. 
Sollen nun auch diese Gegenstände in ihrer Entstehung und Her- 
stellung dem Anschauungsunterrichte nutzbar gemacht werden, so müßte man
	        

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