Volltext: Die alte Geschichte des jüdischen Volkes (2, Orientalische Periode / 1925)

Der Bruderkampf der Hasmonäer und die Einmischung Roms 
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urtter den blanken Schwertern der Römer, unerschrocken ihres Amtes. 
Die römischen Soldaten ließ jedoch das erhabene. Schauspiel kalt, 
und sie hieben die Priester kurzerhand am Fuße des Altars nieder. 
Die rasend gewordenen Sieger richteten auf dem Tempelberge ein 
furchtbares Gemetzel an. Das war im Herbst 63, als in Rom der be 
rühmte Cicero Konsul war. 
Pompe jus drang mit seinem Gefolge in das innere Heiligtum des 
Tempels (das „Allerheiligste“) ein, wohin sogar den Juden, mit Aus 
nahme des Hohepriesters, der Zutritt strengstens untersagt war. Die 
Römer besichtigten nicht ohne Neugierde diese geheimnisvolle Halle, 
über die unter den Heiden allerlei abergläubische Gerüchte im Um 
laufe waren. An Stelle der in den heidnischen Tempeln üblichen 
Götterdarstellungen erblickten die römischen Krieger hier nur gol 
dene Leuchter, Opferkelche und anderes Tempelgerät, ließen indessen 
sowohl die goldenen Weihgefäße als auch die reiche Tempelschatz 
kammer unberührt. Pomp ejus ordnete sogar an, daß der Tempel 
gesäubert und der Gottesdienst von Neuem aufgenommen werde. Mit 
den Urhebern des Krieges aus der Partei des Aristobulus ging jedoch 
Pompe jus hart ins Gericht: er ließ alle Führer der Patriotenpartei 
enthaupten. 
Sodann ging Pompe jus daran, in Judäa Neuerungen einzuführen. 
Das Land wurde Rom tributpflichtig gemacht und unter dessen Vor 
mundschaft 'oder Protektorat gestellt, ohne jedoch seine staatliche 
Autonomie einzubüßen. Hyrkan II. wurde in seiner Würde als Hohe 
priester und als Vertreter des Volkes oder „Ethnurch“ bestätigt, 
mußte jedoch auf den Königstitel verzichten. Seine Gewalt erstreckte 
sich nun nicht mehr über den ganzen, durch die Eroberungen der 
Hasmonäer erweiterten jüdischen Landbereich, denn ein großer Teil 
dieser Eroberungen wurde, auf Anordnung des Pompejus, Judäa ab 
gesprochen. Sämtliche Städte mit vorwiegend griechischer Bevölke 
rung (Jaffa, Gaza, Dora u. a.), ferner die syrischen Städte am Jordan 
(Gadara, Pella, Dium u. a.), ebenso auch einige Ortschaften im mitt 
leren Landgebiet (Samaria, Skythopolis) wurden den Juden abge 
nommen und dem neueroberten römischen Landbesitz in Syrien an 
geschlossen. Wie das republikanische Rom auch sonst zu tun pflegte, 
bedachte es alle diese Städte mit einer weitgehenden Selbstverwaltung, 
so daß Pompejus von deren griechischer Einwohnerschaft, die sich 
durch die jüdische Herrschaft beengt fühlte, als Befreier und zudem
	        
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