Der Bruderkampf der Hasmonäer und die Einmischung Roms
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urtter den blanken Schwertern der Römer, unerschrocken ihres Amtes.
Die römischen Soldaten ließ jedoch das erhabene. Schauspiel kalt,
und sie hieben die Priester kurzerhand am Fuße des Altars nieder.
Die rasend gewordenen Sieger richteten auf dem Tempelberge ein
furchtbares Gemetzel an. Das war im Herbst 63, als in Rom der be
rühmte Cicero Konsul war.
Pompe jus drang mit seinem Gefolge in das innere Heiligtum des
Tempels (das „Allerheiligste“) ein, wohin sogar den Juden, mit Aus
nahme des Hohepriesters, der Zutritt strengstens untersagt war. Die
Römer besichtigten nicht ohne Neugierde diese geheimnisvolle Halle,
über die unter den Heiden allerlei abergläubische Gerüchte im Um
laufe waren. An Stelle der in den heidnischen Tempeln üblichen
Götterdarstellungen erblickten die römischen Krieger hier nur gol
dene Leuchter, Opferkelche und anderes Tempelgerät, ließen indessen
sowohl die goldenen Weihgefäße als auch die reiche Tempelschatz
kammer unberührt. Pomp ejus ordnete sogar an, daß der Tempel
gesäubert und der Gottesdienst von Neuem aufgenommen werde. Mit
den Urhebern des Krieges aus der Partei des Aristobulus ging jedoch
Pompe jus hart ins Gericht: er ließ alle Führer der Patriotenpartei
enthaupten.
Sodann ging Pompe jus daran, in Judäa Neuerungen einzuführen.
Das Land wurde Rom tributpflichtig gemacht und unter dessen Vor
mundschaft 'oder Protektorat gestellt, ohne jedoch seine staatliche
Autonomie einzubüßen. Hyrkan II. wurde in seiner Würde als Hohe
priester und als Vertreter des Volkes oder „Ethnurch“ bestätigt,
mußte jedoch auf den Königstitel verzichten. Seine Gewalt erstreckte
sich nun nicht mehr über den ganzen, durch die Eroberungen der
Hasmonäer erweiterten jüdischen Landbereich, denn ein großer Teil
dieser Eroberungen wurde, auf Anordnung des Pompejus, Judäa ab
gesprochen. Sämtliche Städte mit vorwiegend griechischer Bevölke
rung (Jaffa, Gaza, Dora u. a.), ferner die syrischen Städte am Jordan
(Gadara, Pella, Dium u. a.), ebenso auch einige Ortschaften im mitt
leren Landgebiet (Samaria, Skythopolis) wurden den Juden abge
nommen und dem neueroberten römischen Landbesitz in Syrien an
geschlossen. Wie das republikanische Rom auch sonst zu tun pflegte,
bedachte es alle diese Städte mit einer weitgehenden Selbstverwaltung,
so daß Pompejus von deren griechischer Einwohnerschaft, die sich
durch die jüdische Herrschaft beengt fühlte, als Befreier und zudem