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wohnlichen Doktoren und von ganz gewöhnlichen Unapprobierten untersucht worden. Da
wurde denn das Verschiedenste diagnostiziert: 1. beginnende Herzverfettung, 2. vorgeschrittene
Herzverfettung, 3. Herzerweiterung, 4. Klappenfehler, 5. übergroße Neurasthenie, 6. Rheu
matismus. Was will man noch mehr? Ein Approbierter verschrieb diesem Herrn Kruken
dampfbäder, 1 Stunde Schweiß, Rumpfpackungen u. s. w. Einem der Herzverfettung oder
Klappenfehler Verdächtigten ohne Aussicht Schwitzbäder verordnen!
Und nun der vorhin besagte Krankheitsfall. Eine Bauersfrau aus dem Gebirge,
Mitte 30, wurde Vor drei Jahren krank. Der Appetit wurde geringer, Herzklopfen, Schwindel
und verschiedene nervöse Zufälle traten ein, die Schwäche vermehrte sich von Woche zu Woche;
Schmerzen im Unterleib. Der Arzt einer kleinen Stadt kurierte auf Magenleiden. Da die
Krankheit schlimmer wird, so wird der Kreisarzt in Anspruch genommen, der konstatiert be
ginnenden Herzklappenfehler und kuriert darauf los. Unterleibskrämpfe, besonders zu gewissen
Zeiten, treten aus, ein ganz gewaltiger Kopfschmerz tritt hinzu und ein dritter Arzt sieht ein
Gehirnleiden kommen. Die schlimmen Zustände vermehren sich, allgemeine Krämpfe zeigen
sich oft, die Tage, wo die Kranke geistesabwesend ist, treten häufiger aus und ein äußer-
deutscher Professor, (die Kranke wohnt nicht in Deutschland) findet ein schweres Unterleibs-
leiden, das nur durch Operation gehoben werden kann. Als sich die Patientin dazu bereit
erklärt, glaubt der Operateur die Zeit noch nicht dazu gekommen. Die Beine werden wasser
süchtig, ebenso der Unterleib. Alle aber waren darüber einig, daß die Kranke nun wasser
süchtig sei! Ein Triumph der Wissenschaft! Und der einfachen Bauersfrau ging es so wie
vielen Andern, sie verlor den Glauben an die Kunst der wackeren Diagnostiker.
Sie wandte sich an mich; was sollte ich nun diagnostizieren, nachdem so viele Andere
sich widersprochen hatten? Sie war es zufrieden, auch ohne Diagnose gesund zu werden.
Natürlich nimmt man bei ungewisser Diagnose die gefährlichere Krankheit an und ist darum
in Anwendung der Kurmittel äußerst vorsichtig; mit der geringen Lebenskraft der Patientin
muß man haushälterisch umgehen. Kost vegetarisch, anfangs Magenkompressen, Unterleibs
waschungen, Fußbäder, dann Ganzwaschungen, Leibpack, Sitzbäder, Magen- und Unterleibs
massage, Halbbäder, Atemgymnastik, später Luftbäder. In der ersten Zeit ging es schnell
bergauf, dann kam eine gewaltige Krisis und nun ging es mit kurzen Unterbrechungen der
Gesundheit entgegen. Nach 6 Wochen gesund entlassen, arbeitet sie nun schon 12 Wochen in
Haus, Hof und Feld wie früher. Weder Herzleiden, noch Gehirn- und Unterleibsleiden haben
sich seitdem wieder gezeigt. Wer hatte die richtige Diagnose gestellt? Ich mag die Diagnose
nicht missen, aber höher als dieselbe steht mir die Kunst zu individualisieren.
Edmund Schneckenberg.
Vortragende und ihre Themata.
(Fortsetzung).
Die Aufnahme in diese Liste erfolgt lediglich nur auf die eigenen Anmeldungen und
Empfehlungen der darin Verzeichneten.
Carl Griebel in Meran (Tirol).
Nächste Reisezeit: 15. März bis 10. Mai k. I.
1. Frauenkrankheiten.
2. Kindererziehung.
Anmeldungen auf Vorträge schon jetzt dringend erwünscht.
Besprechung von Büchern.
Schuhr's Sammlung volkstümlicher Vorträge auf dem Gebiete der Gesund
heitspflege, der körperlichen Erziehung und der Unfall-Verhütung. Jedes
Heft 50 Pfg.
Heft I. Ueber den moralischen und physischen Einflutz der Mutter auf ihr
Kind vor der Geburt. Von Clara Muche.
Ich halte es für ein verdienstvolles Unternehmen das Verlegers dieser Zeitschrift, eine
Sammlung von guten Vorträgen aus dem Gebiete der Gesundheitspstege herauszugeben, und
zwar zu einem Preise, der es allen Vereinen ermöglicht, sich auf leichte Weise in den Besitz
von Vortragsmaterial zu setzen. Hoffentlich gelingt es, gute Käufer für das Unternehmen
zu gewinnen. Mit dem 1. Hefte hat der Verleger einen guten Wurf gethan. Frau M.
unterzieht in der ihr eigenen klaren Weise einen Lebensabschnitt der Besprechung, der in
dieser Art eben nur von einer Frau und Mutter betrachtet werden kann. Im Interesse
der künftigen Geschlechter muß dem Schriftchen die weiteste Verbreitung gewünscht werden.