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Jur VekleiSnngsfrage.
Nachwort der Redaction über die Jäger'fche Normatkleidung.
In voriger Nummer wurde einer für die Jäger'fche Normalkleidung nicht
begeisterten Stimme die Spalten geöffnet und da daraufhin ein paar „Wollene"
sich gerührt haben, jedoch nicht genügend, so ersuche ich hiermit noch mehr
Jäger und Jägerinnen mir ihre mit purer Wollkleidung ge
machten Erfahrungen gef. mittheilen zu wollen, um dieselben dann übersichtlich
den Lesern vorführen zu können. Da nach Angabe im ..Deutschen Familien
blatt" Professor Jäger bereits gegen 40,000 Seelen zu seinen Anhängern
und Verehrern zählen zu dürfen glaubt, so ist seine Wollkleidung bereits eine
kleine „Großmacht" geworden, mit der man glimpflich umgehen muß und
die man nicht blos theoretisch abfertigen darf, also erlaube ich mir die freund
liche Bitte nm Einsendung von rein objektiv en Erfa hru n gsmit -
theilungen.
Ich für meinen Theil habe dieses Frühjahr von Stuttgart durch die Güte
eines dortigen Freundes einen Theil der patentirten Jäger'schen Normalkleid
ung zur Besichtigung hier gehabt, und habe mich daraufhin aber nicht ent
schließen können, mir einen complettcn „Wollanzug" kommen zu lassen, um
damit 1 Jahr lang richtige Probe zu machen, weil ich befürchte, hier der ein
zige „Ganzwollene" zu sein, dem die liebe Straßenjugenv jubelnd nachlaufen
würde, wie sie es in Berlin mit den Chinesen und Japanesen gemacht hat,
was mir natürlich nicht convenirt, daher kann ich momentan meine eigene Haut
noch nicht zu dieser Probe benützen. G. W.
Wichtiger Schluß ;ur Behandlung der Diphtherie.
'Schreiben von Dr. Carl Munde an die Redaction.
Motto: Amicus Priessnitz, amicus Hausse,
etiam amicus Munde, s e d m a g i s amica veritas!
Von Herrn Dr. Carl Munde habe ich ein Schreiben erhalten, als Ent
gegnung auf den Artikel in vor. Nummer, dem ich zum bessern Verständniß
Einiges vorausgehen lassen muß. Im Jahre 1869 hatte ich die Ehre, unsern
Nestor hier persönlich kennen zu lernen, als er nach seiner Rückkehr aus
Amerika in seine sächsische Heimath zum Besuche kam. Als ich dann 1871 die
Redaction des „N.-A." von Th. Hahn übernahm, verfehlte ich darum nicht,
aus Artigkeit demselben auch 1 Exemplar zuzuschicken, welches er aber refüsirte
mit dem Bemerken: Er würde wohl darauf abonniren, da aber mein Vor
gänger ihn gelegentlich der Recension seines Buches „Hydrotherapie" ganz un-
glimpstich, um nicht zu sagen, „gemein" behandelt habe, so danke er dafür! Ob
gleich ich nun nicht begreifen konnte, was der Hahn'sche „N.-A." mit dem meinigen
zu schaffen, fügte ich mich rcsiguirt in mein Schicksal, grollte ihm aber keines
wegs, sondern schrieb 1876 Dr. Munde doch wieder, als seine Brochüre
„Zimmerluft, Ventilation und Heizung" erschienen war und bat
ihn, mir zu gestatten, daß ich daraus einen belehrenden Artikel für den „N.-A."
bearbeiten und die betr. Holzschnitte mit aufnehmen dürfe; dies wurde seiner
seits gerne bewilligt und so brachte ich in Nr. 1 von 1877 denselben unter
dem Titel: „Nothwendige Verbesserung unserer verdorbenen Zimmer
luft, namentlich im Winter" — und von dieser Zeit an aceeptirte Dr. M unde
1 Exempl. des „N.-A." von mir. Im vorigen Jahrgang habe ich nun von
Nr. 1—7 einen langen Artikel über Diphtherie gebracht, aus dem das