Full text: Die Kriegsführung im Herbst 1916 und im Winter 1916/17 : vom Wechsel in der Obersten Heeresleitung bis zum Entschluß zum Rückzug in die Siegfried-Stellung (11. 1938)

Überreichung des Friedensangebots. 
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war, daß eine nachteilige Wirkung auf die Kampfbereitschaft des Heeres 
nicht festgestellt werden könne. 
b) Ablehnung des Friedensangebotes und Verhandlungen über 
den Unterseekrieg. 
Alsbald sprachen sich führende Staatsmänner in Frankreich, Rußland, 
Italien und England gegen das Friedensangebot der Mittelmächte aus. 
Schon am 13. Dezember bezeichnete Ministerpräsident Vriand den Schritt 13- "s 
als ein Manöver, um unter den Alliierten Zwietracht zu säen und die Völker 2°" ®eacw6"* 
zu demoralisieren. Wenige Tage später wies der als Nachfolger Stürmers 
bemfene russische Außenminister Pokrowski den Friedensvorschlag mit 
Entrüstung zurück; das zu erstrebende Ziel sei die Vernichtung der Gegner. 
Am 18. Dezember forderte der italienische Minister des Auswärtigen 
Sonnino die Kammer auf, nichts zu beschließen, was so gedeutet werden 
könnte, als ob Italien in der Friedensfrage eine von seinen Verbündeten 
abweichende Haltung einnähme. Am 19. Dezember endlich nahm auch Lloyd 
George, der Anfang Dezember für Asquith englischer Ministerpräsident 
geworden war*), vor dem Unterhause in ablehnendem Sinne Stellung. 
Gerade während dieser Vorgänge aber hatte am 15. Dezember der 
zweite große und erfolgreiche französische Angriff vor 
Verdun stattgefunden. General Ludendorff begab sich an die West- 
front und unterrichtete sich bei den Armeeführern2). Mehrere von ihnen 
brachten die große Erschöpfung ihrer Truppen zur Sprache. Daß Nach- 
lassen der Kampfkraft infolge des Friedensangebots eine Rolle gespielt 
habe, ließ sich aber nicht erweisen'). Anter dem tiefen Eindruck dieser Aus- 
sprachen, die baldige Entlastung des Westheeres dringend forderten, ließ 
der Erste Generalquartiermeister nach Rückkehr in das Große Hauptquartier 
am 20.Dezember an den Staatssekretär des Auswärtigen, Zimmermann, 
drahten^): „Nachdem Lloyd George Friedensangebot durch seine Erklärung 
im Unterhaus abgelehnt hat, bin ich auf Grund der Eindrücke, die ich an 
der Westfront gewonnen habe, der Überzeugung, daß nunmehr der U-Voot- 
Krieg mit aller Schärfe einsetzen muß." 
Drei Tage nach dem Erfolge der Franzosen vor Verdun hatte 
inzwischen am 18. Dezember auch Präsident Wilson eine 
Friedensnote erlassen, die am 21.in Verlin überreicht wurde. Cr21.Dezember, 
regte an, alle kriegführenden Staaten möchten baldigst die Bedingungen 
1) S. 438. 
2) S. 165. 
3) S. 171 f. 
4) Abgedr. in Anters. Aussch. Beil. 175.
        

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