Full text: Die Kriegsführung im Herbst 1916 und im Winter 1916/17 : vom Wechsel in der Obersten Heeresleitung bis zum Entschluß zum Rückzug in die Siegfried-Stellung (11. 1938)

Besprechung über Anterseekrieg in Pleß. 
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gerückte Lage an der österreichisch-ungarischen Front einigermaßen ge- 
klärt sei. 
Nach Vorbesprechungen fand am 31. August in Pleß eine ge- Zi.August, 
meinsame Aussprache aller an der Frage Beteiligten statt'). Dabei 
forderten die Admirale von Capelle und von Holtzendorff, 
gestützt auf eine „Denkschrift über die Schiffsraumfrage und die Versorgung 
Englands im Jahre 1916", mit Nachdruck den sofortigen Beginn des 
uneingeschränkten Unterseekrieges, denn, so sagte letzterer: „Wir haben es 
in der Hand, bis Jahresende Englands Kriegswillen zu brechen." Dem- 
gegenüber warnten die Staatssekretäre von Iagow und Dr. Helfferich vor 
den Folgen des Unterseekrieges in uneingeschränkter Form. Sie wollten 
alles vermieden sehen, was das Eingreifen Amerikas auf feiten der 
Entente herbeiführen könne. Staatssekretär von Iagow wies darauf 
hin, wie schwer es andernfalls sein würde, überhaupt zu einem Frieden 
zu kommen. Dr. Helfferich gab wohl zu, daß die Lage bei uns und in 
England die Aufnahme des uneingeschränkten Unterseekrieges jetzt aus- 
sichtsreicher erscheinen lasse als vor einem Jahre oder im Frühjahr, als 
wir mit Verpflegung besonders knapp waren. Er hatte aber Zweifel, ob die 
in Aussicht gestellte Vernichtung von Schiffsraum für die erstrebte Wirkung 
ausreichen werde. Er war „nicht überzeugt, daß England Physisch auf den 
Boden gezwungen" werden könne. Mit England zusammen aber könne 
Amerika auf die Neutralen den stärksten Druck zum Anschluß an die Entente 
ausüben. „Da Dänemark und Holland auf die Zufuhr über See an- 
gewiesen sind", so fuhr er fort, „können sie gar nicht widerstehen. Wir 
haben dem kein Druckmittel entgegenzusetzen ... Ich sehe in der Anwen- 
dung der U-Boot-Waffe heute nur die Katastrophe. Ein Mittel, das uns 
aus einer schweren Lage in eine noch schwerere bringt, ist nicht tauglich, 
wenn wir kein Gegenmittel haben, um die nachteiligen Wirkungen aus- 
zuschalten." 
Der Kanzler selbst teilte die Bedenken der Staatssekretäre 
von Iagow und Dr. Helfferich. Cr vertrat im übrigen den Standpunkt, 
daß für die Entscheidung der Frage des U-Boot-Krieges die Einschätzung 
der militärischen Lage durch die Oberste Heeresleitung wesentlich sein 
müffe. Nach Ansicht des Generalfeldmarschalls, mit dem er eine Vor- 
besprechung gehabt habe — sagte er —, „kann eine Entschließung weder 
pro noch contra, gefällt werden, solange die militärische Situation infolge 
des Eingreifens Rumäniens sich nicht übersehen läßt... Sollten wir einer 
ungünstigen Entwicklung des rumänischen Krieges entgegengehen, so nützt 
>) Protokoll der Besprechung s. „Beilagen zu den Stenographischen Berichten 
iiber die öffentl. Verhandlungen des Untersuch.-Ausschusses", Nr. 158 (S. 17» ff.).
        

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