Volltext: Vom Ausklang der Schlacht bei Limanowa-Łapanów bis zur Einnahme von Brest-Litowsk 2 : Das Kriegsjahr 1915 1 [Textbd.] (2 : Das Kriegsjahr 1915 ; 1 ; [Textbd.] ;)

Operationspläne der Verbündeten 
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Was die in dem Räumungsgebiete liegenden Festungen anbelangt, 
wurde Iwangorod nur als Teil einer schon früher errichteten Feldstel¬ 
lung bezeichnet, die „die Freiheit des Manövrierens auf beiden Ufern 
der mittleren Weichsel wahren sollte". Sie durfte daher jetzt im Verlauf 
des Rückzuges geräumt werden. Der Festung Nowogeorgiewsk wurde in 
der Beratung in diesem Zusammenhang nicht gedacht; sie hatte sich daher 
auf eine Einschließung und isolierte Verteidigung vorzubereiten. 
Der Beginn der Rückverlegung des 650 km langen russischen Stel¬ 
lungsbogens zwischen der Bobrmündung und Sokal in eine der beiden 
nur mehr 400 km, beziehungsweise 370 km langen Sehnenstellungen ver¬ 
zögerte sich aber erheblich. Denn der wegen der allgemeinen Not 
dringend gebotene Abschub der im Räume um Warschau befindlichen 
Vorräte und industriellen Einrichtungen erforderte etwa drei Wochen 
Zeit1). Doch noch ehe diese Frist verstrichen war, schritten die Armeen 
der Verbündeten nicht nur am Dniester und zwischen der Weichsel und 
dem Bug, sondern auch gegen den unteren Narew zum Angriff. 
Bereits am 28. Juni hatte GO. Conrad auch schon die Aufmerksam¬ 
keit Falkenhayns auf die Frage der Mitwirkung der Heeresgruppe Hin¬ 
denburg gelenkt. Er regte an, die Offensive der Heeresgruppe Mackensen 
durch einen aus dem Räume der Armee Gallwitz in der Richtung auf 
Siedlec zu führenden Stoß zu einer doppelseitigen Umfassung der zwischen 
Bug, Weichsel und Narew befindlichen russischen Heeresmassen auszu¬ 
bauen. Hiebei empfahl er, ähnlich wie das Abziehen der k. u. k. 1. Armee 
nach Osten erfolgte, auch aus der vor Warschau stehenden deutschen 
9. Armee Kräfte auszusparen. Diese und vielleicht auch von der deut¬ 
schen 10. und 8. Armee entnommene Kräfte sollten die Armee Gallwitz 
besonders stoßkräftig machen. 
Falkenhayn ging auf die Vorschläge Conrads, die die Grundzüge 
des Operationsplanes für den Sommerfeldzug 1914 gebildet hatten, rasch 
ein. Doch die leitenden Personen des „Oberost" waren anderer Meinung. 
Hatte GM. Ludendorff schon am 7. Juni darauf hingewiesen, daß nörd¬ 
lich des Njemen die den gleichen Namen tragende deutsche Armee, wenn 
sie verstärkt würde, durch Vorrückung über Kowno und Wilna gegen 
den Rücken der russischen Hauptkräfte zur Vernichtung des Feindes 
wesentlich beitragen könnte2), so vertrat GFM. Hindenburg in einer am 
*) Korolkow, Das mißlungene Cannae, 29f. 
2) Ludendorff, Kriegs er inner ungen, 114; Kühl, I, 231; Hindenburg, 
Aus meinem Leben (Leipzig 1920), 127. 
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