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Der Karpathenwinter 1914/15
Pflanzer-Baltin, der am 29. mit seinem Stabe von Delatyn nach Ko-
lomea übersiedelte, setzte an diesem Tage die 42. HID. zu einem Stoße
in südöstlicher Richtung gegen die feindliche Pruthgruppe an. Da aber
das russische III. Kavalleriekorps bei Chotin den Dniester überschritten
hatte, am 30. die 19. HKBrig. zurückwarf und den Nordflügel der kroa¬
tischen Division überraschend anfiel, mußten die Truppen nach erheb¬
lichen Einbußen bis an die Reichsgrenze zurück (Skizze 19).
Diese bedrohliche Wendung bewog den Armeegruppenführer, noch
vier Feldjägerbataillone der 16. IBrig. und zwei Polenbataillone hieher
zu verschieben. Für die Gruppen Czibulka und Rhemen entfiel jetzt auf
drei Meter Front nur ein Feuergewehr, weshalb Pflanzer-Baltin das AOK.
um eine Infanteriebrigade als Verstärkung bat, ohne — wie es nach den
geschilderten Geschehnissen bei der 2. und der 3. Armee begreiflich war
— Gehör zu finden. Zu seiner Genugtuung scheiterten am 31. März und.
1. April russische Vorstöße gegen den rechten Flügel der wieder ge¬
festigten Ostgruppe. Trotzdem wurde die Lage kritisch, als die russische
12. KD. am 2. April den Dniester bei Uscie Biskupie übersetzte. In Kolo-
mea zögerte man nicht, der Nordgruppe noch die 9. IBrig. zu entnehmen
und, zum Teil mit Bahn, das IR. 13 als Armeereserve nach Obertyn, das
IR. 93 nach Okna zu dirigieren. Auch die Russen schoben weitere Kräfte
nach Osten und warfen sich am 4. auf FML. Kordas1) rechten Flügel,
den sie umgingen, im Rücken faßten und zum Ausweichen zwangen. Zu
rechter Stunde griff das bewährte nordmährische IR. 93 in das Gefecht
bei Okna ein und gewann durch einen entscheidenden Gegenstoß die ver¬
lorengegangenen Stellungen schon am Abend dieses Tages wieder zurück.
Damit erloschen die Kämpfe an diesem Frontabschnitt für längere Zeit.
In der Reihe der Leistungen, für die GdK. Freih. v. Pflanzer-Baltin
mit dem Kommandeurkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens ausge¬
zeichnet wurde, bildet die kühne Führung dieses bewegten, phasenreichen:
Feldzuges ein besonderes Ehrenblatt.
Das Unternehmen der komb. 30. ID. gegen den Brückenkopf bei Za-
leszczyki gestaltete sich überaus schwierig. Wie man bald erkannte, konnte
ein gewaltsamer Angriff nicht zum Ziele führen, denn auch die Russen
werteten die Bedeutung dieses Überganges vollauf und klammerten sich
um so mehr an dessen Besitz, als sie von hier aus zwischen die beiden
Hauptgruppen Pflanzer-Baltins hineinstoßen konnten. In heißen und ver¬
lustreichen Kämpfen vojn 22. bis zum 26. März und vom 2. bis 9. April
gelang es nur, den Halbkreis der Einschließung zu verengen und sich im
*■) FML. Korda hatte an Stelle des FZM. Ljubicic das XI. Korpskmdo. übernommen.-