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Am nördlichen Ende des etwa 39 Häuser zählenden Dorfes Wernstein
erhebt sich ans einer kleinen Anhöhe inmitten des Friedhofes die Pfarrkirche zum
heiligen Martyr Georgius, deren Bauformen auf das 17. aber auch auf das
14. Jahrhundert weisen, immerhin aber eines alten Ursprunges ist, indem sie über
einem römischen Begräbnißplatze erbaut wurde. *)
Die Kirche hieß im Mittelalter immer nur: St. Georgen bei Neu¬
burg oder St. Georgen an« Wernstein und in einer Formbacher Urkunde
vom Jahre 1200 wird Pilgrimus de 8. Greorio mansionarius genannt.
Bis zum Jahre 1591 war sie eine zur Jnstadtpfarre St. Severin gehörende, im
Excursionswege von dort aus pastorirte Filiale mit Tauf- und Sepulturrechte;
im Jahre 1610; erhielt sie einen ständigen Vicar, für welchen im Jahre 1710
das unausgebaut gebliebene Franciscaner-Hospiz um 600 Gulden angekauft und
zu einer Pfarrwohnung zugerichtet wurde.
Im Inneren enthält diese Kirche 4 Altäre und ein Crucifix aus dem
Jahre 1404; mehrere Grabsteine sind hier zu treffen, darunter auch das Epita¬
phium der Herren von Schmelzing, die daselbst ihre Familiengruft hatten; im
Jahre 1414 stiftete Hanns Pilich zu Baumgarteu 2 Jahrtage in diese Kirche, sie
war laut alter Fassiouen ein Dominium mit 9 Zehcntholden und mit 14 Vogt-
und Grundunterthanen.
Ain oberen Ende des Dorfes Wernstein befindet sich das Stationsgebäude
der Elisabeth-Westbahn, mittels welcher seit 1861 Oberösterreich mit der bayer¬
ischen Ostbahn in Verbindung gebracht und auch das Juthal von Schärding bis
Passau vom Schienennetze des Weltverkehres durchzogen und vom Dampfrosse
durchbraust wird; auf dieser Route bieten sich dem Reisenden die herrlichsten Land¬
schaftsbilder in mannigfaltigsten Formen und Abwechslungen dar.
Vom Schlosse Wernstein aufwärts gegen Schärding wurde längs des
Uferrandes in den Jahren 1824 und 1827 ein steinerner Treppelweg — Hufschlag —
erbaut. — Oberhalb des Stationsgebäudes der Eisenbahn errichtete die Firma
Schramm & Hörner aus Offenbach am Main im Jahre 1882 eine Farbenfabrik.
Von Wernstein zieht sich durch eine Bergschlucht und über eine steile
Höhe hinan, der^Pfad nach dem ehemaligen Edelsitze der Herren von Schmelzing
Zmicklod
in freier, freundlicher Lage, nahe an der Chaussee von Schärding nach Pasiau;
dieses ehemalige Dominikalgut mit 10 unterthänigen Häusern schenkte Graf Julius I.
von Salm auf Neuburg im Jahre 1576 dem Leonhard Schmelzing, welcher Ver¬
walter der Grafschaft und der Maut zu Neuburg war; noch im selben Jahre er-
1) An der äußeren Sakristeimauer findet sich der 34" lange, 23" breite Volivftein de-
M. Rustius Unianus nach der Quere eingemauert; in der Nähe von Hofötz wurden Spuren
einer Römerstraße, wie auch andere römische Denksteine aufgefunden, ein Beweis, daß um das
Castell Wernstein römisches Leben geherrscht habe.
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