352 —
Auflösung entgegen; im Jahre 1813 gaben die Neuburger ihr Bürgerrecht auf
und schlossen sich der Landgemeinde Tummelstadel an. Bis zum heutigen Tage
werden die Bewohner von Neuburg, sowie die der ehemaligen, bis gegen Vils-
hofen und Holzkirchen hinaufreichenden Reichsgrafschaft „Grafschaftler" benamset.
Ueber die Vergänglichkeit und Hinfälligkeit alles Irdischen, auch des
scheinbar Großartigen ernst gestimmt, verlassen wir Neubnrg und steigen ans einem
steil abschüssige» Wege gegen das Jnufer wieder zn einer längs des Ins sich
ausbreitenden, 19 Häuser zählenden Häuserreihe, geheißen „in der Leiten".
Ans diesem Wege präsentirt sich das am jenseitigen Ufer, am Fuße steiler
waldbewachsener Bergabhänge gelegene Wernstein in einer eigenthümlichen Gestalt
und Lage, wie ein allerliebst romantisch sich darstellendes Krippenbild. In der
Niederung angelangt, besteigen wir einen Nachen, um uns über den hier ruhig
und ernst dahinwogenden Strom aus Oesterreichs Boden überschiffen zu lassen.
Hier fallen uns vor Allem die Ruinen des ehemaligen Schlosses
Wernstein
ans, das so kühn und trotzig über einem senkrecht aus dem Strome emporragenden
Felsen hingebaut, mit hohen Mauern und tiefen Gräben umschlossen war und noch
die Merkmale der Zugbrücke trägt. Durch eine im Jahre 1856 vorgenommene
Demolirnng des Hauptgebäudes hat das Schloß seine antike Form eingebüßt und
ist zur vollen Ruine geworden, welche durch die fortwährenden Adaptirnngen noch
mehr zerbröckelt und zersetzt wird. H
Das Schloß Wernstein war niemals Eigenthum und Sitz einer eigenen
Adelsfamilie, sondern immer ein Appcrtinens zu Neuburg; es wurde von Burg-
hütern bewohnt und diente zugleich als Mautstätte. Weil die Herren Schmelzing
längere Zeit als Mautner daselbst fungirten, so erhielten sie im Jahre 1645 das
Adelsprädikat „von Wernstein".
Im Jahre 1805 wurde das Schloß Wernstein an Private veräußert und
ein Theil desselben an das k. k. Zollamt vermiethet, bis für selbes im Jahre 1843
neben dem Pfarrhofe ein eigenes Etablissement zugerichtet wurde.
In diesem Schlosse befand sich unter Georg Ludwig Grafen von Sinzen-
dorf nebst der Gold- und Silberdraht-Fabrik auch die Münzstätte, welche des
Hanns Fuchs sel. Erben von Passau zurichten ließen, später aber, im Jahre 1664
hiefür nahe am Friedhofe ein eigenes Haus erbauten, das im Verlaufe der Zeit
in eine Papier- und Pappendeckel-Fabrik umgewandelt wurde.
Nahe am Eingänge zum Schlosse, dem Jngestade zu, erhebt sich die
zwölf Klafter hohe Marmorsäule mit der Statue der unbefleckten Jungfrau Maria,
welche der vorgenannte Graf Georg Ludwig von Sinzendorf im Jahre 1667 von
Wien hieher führen und aufstellen ließ.
i) Von den beiden Festen: Neuenfels in der Nähe der schwarzen Säge und Wim¬
berg in der sog. Neuhauserleiten, welche schon um 1650 verfallen waren, sind nur noch die
Lagerstellen ersichtbar.