Volltext: Die alte Geschichte des jüdischen Volkes (2, Orientalische Periode / 1925)

Die Weltdiaspora 
Einrichtungen unserer Ahnen zuwider, um so mehr jetzt, da diese Nation mit be 
waffneter Hand ihr wahres Verhalten zu unserer Herrschaft offenbart hat. Wie 
teuer dieses Volk den unsterblichen Göttern ist, ist schon daraus zu ersehen, daß 
es nun besiegt, tributpflichtig gemacht und zu Boden geschlagen ist.“ 
Aus diesen Worten eines Vertreters der höchsten römischen Ge 
sellschaft läßt sich die Verachtung der siegreichen Nation für die 
Nation der Besiegten erkennen. Aus der physischen Übermacht wird 
auch die religiös-sittliche Überlegenheit, ein providentieller Schick 
salsspruch gegen die Besiegten gefolgert. Die von den Römern un 
terworfenen Syrer und Juden werden von Gioero auch in einer an 
deren Rede („Über die consularischen Provinzen“) zu den „für die 
Sklaverei geborenen Völkern“ gezählt. Derartige sozial-ethische An 
sichten hatten in der Tat mit dem das Recht des Stärkeren verwer 
fenden Judaismus nichts gemein. Nur eine völlige Unkenntnis des 
Judaismus konnte Menschen vom Schlage des Cicero, Anhängern des 
Augurenaberglaubens und der Wahrsagerei der Haruspices, x4nlaß 
geben, ihn als eine „barbara superstitio“ zu bezeichnen. In den Ro- 
den des Cicero kam der Haß des orthodoxen Heidentums gegen die 
ihm fremde Weltanschauung des Judentums zum Ausdruck, jener 
Haß, der im hellenistischen Alexandrien seinen Ursprung genommen 
hatte und später sich auch in der römischen Gesellschaft einbür 
gerte 1 ). 
Diese bornierte Unduldsamkeit Ciceros blieb jedoch seinem Zeit 
genossen Julius Caesar durchaus fremcL Caesar nahm die Rechte und 
Freiheiten der jüdischen Gemeinde in Rom ebenso eifrig in Schutz, 
wie er es in Kleinasien getan hatte. Wir haben oben bereits gesehen, 
daß die römischen Behörden in Asien die Autonomie der dortigen Ju 
den mit Berufung darauf in Schutz zu nehmen vermochten, daß in der 
Reichshauptstadt selbst Caesar von dem allgemeinen, alle religiösen 
Versammlungen, außer den „dem Herkommen und dem Rechte ent 
sprechenden“, verbietenden Gesetze zugunsten der Juden eine Aus 
nahme gemacht hatte. Dieses zur Bekämpfung der in Rom eingedrun- 
f) Cicero stand sicherlich unter dem Einfluß seines Lehrers, des griechischen 
Bhetors Apollonius Molon aus Rhodus, der der Verfasser eines uns nicht erhalten 
gebliebenen, dem Judentum äußerst feindlichen Werkes war, das später die Ent 
gegnungen des Josephus in seiner Abhandlung „Gegen Apion“ veranlaßte. Apol 
lonius Molon warf den Juden Gottlosigkeit, Menschenhaß und Unduldsamkeit vor 
und stellte Moses als einen Schwindler und Betrüger hin, der seinem Volke „der 
Tugend widersprechende“ Gesetze gegeben hätte.
	        
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