Volltext: Innviertler Heimatkalender 1911 (1911)

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ßofrat Dr. 3ofef lVeinlechner. 
•fjne Fleiß kein Preis. Dieses Wahrwort kennzeichnet trefflich den Lebensgang 
des Mannes, welchen Altheim als seinen hervorragenden Ehrenbürger und 
großen Wohltäter verehrt. 
Obwohl ans ärmlichen Verhältnissen hervorgegangen, hat sich Weinlechner mit 
ferner zähen Willenskraft durch rastlose Tätigkeit zu einer Stellung emporgearbeitet, 
.in der er sich Wissen¬ 
schaft und Menschheit 
zu tiefem Danke ver¬ 
pflichtet hat. Seine 
Tätigkeit als Opera¬ 
teur ist ein Ruhmes¬ 
blatt in der Geschichte 
der Chirurgie. 
Arm betrat er seine 
Lebensbahn, ausge¬ 
zeichnet durch Erfolg 
und Ansehen stand er 
später da. Fast alles 
verdankte er seiner 
eigenen mühevollen 
Arbeit, wenig oder 
nichts dem Zufalle, 
dem Glücke. Seine 
Arbeitskraft war 
ebenso unermüdlich 
wie seine Pflichttreue. 
Sein Beruf war sein 
Lebensinhalt, seine 
Welt. 
In diesem Manne 
fand der Stolz keinen 
Bofraf Dr. Joses Aeinlechner, 
Raum. Unter einer 
rauhen Außenseite 
schlug ein warmes 
Herz. Die Einfachheit 
der Lebensweise, die 
Anspruchslosigkeit in 
seinen Bedürfnissen 
war bewunderungs¬ 
würdig. Er hatte sich 
aus seinem geliebten 
Jnnviertel eine ge¬ 
mütliche Derbheit, 
eine Vorliebe für 
kräftige Rede¬ 
wendungen bewahrt. 
Getreu seiner Devise 
„Wahrheit und 
Offenheit" war er mit 
seinem Urteile wenig 
zurückhaltend, so daß 
er sich manche Feind¬ 
schaft zuzog. Er war 
zeitlebens kein Freund 
der Etikette und des 
gesellschaftlichen 
Zwanges. 
^oses Wetnlechner wurde am 3. März 1829 in Altheim geboren. Sein 
Vater war Wegmacher, seine Mutter Näherin. Von dieser lernte er auch das Nähen 
eme Handfertigkeit, die ihm später als Arzt zustatten kam. Der aufgeweckte Knabe 
tummelte sich mit gleich unternehmungslustigen Altersgenossen ans der schotterreichen 
Hrnterau, die er später in angenehmer Erinnernna an seine selige Kinderzeit 
planieren, bepflanzen und in einen Jugendspielplatz verwandeln ließ und die jetzt 
fernen Namen trägt. Aus seiner Kinderzeit wird folgendes Gefchichtlein erzählt: Der 
kleine Sepperl war ein hübscher, herziger Junge. Als einst sein Vater auf der Reichs¬ 
straße Steine zerschlug und das Kind daneben spielte, fuhr in der eisenbahnlosen 
Zeit nn Engländer daher. Diesem fiel das Kind auf, er ließ halten und fing ein
	        
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