Volltext: Vom Kriegsausbruch bis zum Ausgang der Schlacht bei Limanowa-Lapanów ; 1. Das Kriegsjahr 1914 ; [Textbd.] ; (1. Das Kriegsjahr 1914 ; [Textbd.] ;)

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Der Sommerfeldzug 1914 gegen Rußland 
ordentlich schwer durchzusetzen vermochte. Die außerhalb der beiden 
Befehlsbereiche stehenden oder erst anfahrenden Heereskörper boten sich 
nicht selten als das einzige Mittel, den Willen der höchsten Führung an 
den Fronten zur Geltung zu bringen. 
Die Lösung der Aufgabe gegen Ostpreußen bereitete der russischen 
Heeresleitung im Hinblick auf die zahlenmäßige Überlegenheit anfangs 
wenig Sorge. GdK. Schilinski hatte am 17. August mit der 1. Armee vom 
Niemen her, zwei Tage später mit der 2. vom Narew aus den Vormarsch 
anzutreten. Schwieriger schien die Lage im Süden zu sein, wo sich 
zwischen Weichsel und Dniester die vier Armeen Iwanows in weitem 
Bogen um Galizien legten. Wohl waren dank den von Frankreich ge¬ 
liehenen Summen, die letzte zu 2y2 Milliarden Franken im Jahre 1913., 
die Aufmarschverhältnisse gegen Österreich-Ungarn zu Kriegsbeginn 
schon weitaus gebessert1). Die Leistungsfähigkeit der im Grenzraume 
Iwangorod—Nowosielica einmündenden Bahnen betrug nach Ansicht des 
öst.-ung. Generalstabes täglich 260 Zugspaare gegenüber den 153, mit 
denen Österreich-Ungarn in der gleichen Zeit für seinen Aufmarsch¬ 
raum rechnen durfte. Aber das entscheidende Übergewicht der Zahl 
konnte infolge der Entfernungen erst allmählich voll in Wirkung treten. 
Außerdem wurde den Russen die ihnen verborgen gebliebene Zurück- 
verlegung des öst.-ung. Aufmarsches an dea San und Dniester zu einer 
unangenehmen Überraschung; denn sie hatten gehofft, drei von den vier 
gegnerischen Armeen in der weit vorgeschobenen Front Nisko—Brody— 
Zalosce—Kopyczynce schon im Aufmarsch fassen zu können2). 
Auf eine strategische Aufklärung in des Wortes eigentlicher Be¬ 
deutung hatte Iwanow, offenbar aus geringem Vertrauen auf den Erfolg, 
trotz der zur Verfügung stehenden gewaltigen Reitermassen verzichtet; 
das Vorfühlen russischer Divisionen nach Galizien war eher eine Ver- 
schleierungs- als eine Erkundungsmaßnahme gewesen. Iwanows wich¬ 
tigste Nachrichtenquelle bestand in einem engmaschigen Konfidenten- 
netz, das sich, nicht zuletzt dank der russophilen Werbearbeit unter den 
stammverwandten Ruthenen (Ukrainern), über ganz Ost- und Mittel- 
galizien bis in die Beskiden hinein erstreckte und in seiner Mannigfaltig- 
!) Eisenbahnbureau des k. u. k. Generalstabes. Mitteilungen über Eisen¬ 
bahnen in Rußland, April 1914. — Suchomlinow, Erinnerungen (Berlin 1924), 
240 ff. — Ratzenhofe r, Rußlands Aufmarschkraft gegen Österreich-Ungarn (Wehr¬ 
zeitung 1928, Folge 15). — Derselbe, Österreich-Ungarns und Rußlands Aufmarsch¬ 
kraft, ein Prüfstein des Willens zum Angriffskrieg (Kriegsschuldfrage, Heft 5, 1928). 
2) Danilowj 223.
	        
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