Volltext: Der Naturarzt 1882 (1882)

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| F I t Meine oegetananische Propagan-areise. 
Von vi. F. W- D - ck, 
ärzllicker Dirigent der Naturheilanstalt „auf der untern Waid" bei St. Gallen. 
Ich kann nicht unterlassen, an dieser Stelle voraus zu bemerke», daß das 
Zustandekommen nachstehend beschriebener Reise hauptsächlich unseren Kölner 
Freunden und besonders der Willens- und Thatkraft unsers zähen Weidners 
zu verdanken ist. Ja, Weidner hat cs meisterhaft verstanden, die ganze Sache 
in Szene zu setzen, die nötigen Vorkehrungen zu treffen, sowie auch den 
norvus rerum zu beschaffen. ,.E s muß gereist werden!" so klang immer 
wieder Weidner's Refrain, und mich ließ er nicht eher los, als bis ich mein 
Bündel geschnürt hatte. Familienvcrhältnisse, bange Sorge, ich möchte meiner 
Aufgabe nicht gewachsen sein, quälende Zweifel über das Gelingen eines der 
artigen Unternehmens, dies waren die Beweggründe, welche meine Reise ver 
zögerten und dieselbe beinahe ins Wasser hätten fallen lassen, wäre nicht 
Weidner immer wieder mit seinem Lied gekommen: „Sic müssen reise», 
Sic d u r s e n u n d können nicht m e h r z u r ü ck t r e t e n!" 
Endlich, am 31. Januar a. c., ging es fort von der untern Waid direkt 
nach Köln, wo am 3. Februar der erste Bortrag gehalten werde» sollte. Daß 
in Köln das Terrain tüchtig vorbereitet war, läßt sich leicht denken. Dank 
den Bemühungen Weidners und d.r Zuvorkommenheit von Frau Professor 
Lina Schneider wurde mein Kölner Vortrag in den, von genannter Dame 
arrangirtcn, Zyklus von Vortrügen ausgenommen, und hatte ich die Freude, 
im kleinen Saale des altehrwürdigen „Gürzenich", zu meinem ersten Vor 
trage ein unserer Sache recht zugethanes Publikum vor mir zu sehen. 
„Über die Ziele und Zwecke des Vegetarianismus in 
seinen B e z i c h u » g e n z u m leiblichen und geistigen Wohl d c r 
Menschheit", so lautete das Thema meines ersten Vortrags, der, wie ich 
nachträglich erfuhr, unserer Sache in Köln einige warme Freunde erwarb und 
hoffentlich auch erhalten wird. 
Am folgenden Abend, am 4. Februar, wurde in Köln ein wohlgclungcnes, 
sehr gemütliches vegelarianischcS Bankett abgehalten, über das ich hier nicht 
weiter zu refcriren habe; nur den Umstand will ich hervorhebe», daß bei 
unserm kleine» Festessen (circa 36 Teilnehmer) die Kölner Stadlbehörde sich 
durch einen ihrer Bürgermeister ossiziell halte vertreten lassen. Dank der 
Presse, die einige Reporte, s zum Bankett geschickr, und besonders Dank der 
„Allgemeinen Haussiaucnzeitung", deren Redaltorin, Frau Meta Dicck- 
hoff, sich sehr iür unsere Sache interessiite. wurde unser Bankett öffentlich 
ziemlich lebhaft besprochen lind kommentirt. Im gleichen Hause in Köln, wo 
wir am 4. unsere so gemütliche Zusammenkunft abgehalten, d. h. im Hotel 
du Dome, hielt ich in dessen großem Saale am 6. Februar meinen zweiten 
Vortrag: „Über die hohe Bedeutung des Vegetarianismus 
in der Kindererziehung", ein Thema, das eine große Zugkraft ausübte 
und uns ein sehr zahlreiches Publikum zuführte, ein nicht genug zu beachtender 
Fingerzeig, daß, um unsere Sache zu schnellerem Fortschritte zu bringen, wir 
mit der Kindcrivclt beginnen und die Eltern an derjenigen Seite packen 
müssen, an der sie am faßbarsten sind: an der Liebe zu ihren Kindern und 
an deren Gesundheit. Nach diesem Vortrage, wie auch schon nach dem 
ersten, wurden seitens meiner Zuhörer viele Fragen an mich gerichtet, die mir 
de» klarsten Beweis lieferten, daß das Interesse für unsere Sache im Allge 
meine» ein äußerst reges ist. Mit diesen zwei Vorträgen war meine Ausgabe
	        
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