Der Hatuwot
Nliturgemiitze Vehan-lung -es menschlichen Körpers
in gesunden und kranken Tagen.
Herausgeber und Redacteur: Gustav Wolbold in Dresden.
Mitredacteur: Theodor Hahn auf der Waid bei St. Gallen.
188«.
M 1«.
Monatlich erscheint eine Nummer b. 1 iöoyen; ferner vom Februar an
aller2 Monate einelit. Beilage Bogen; somit jährlich 15 Bogen,
preis für ganz Deutschland 5Mk.; für Oesterreich 3 fl. Pap.: für die
Schweiz, Holland, Frankreich, Italien rc. 6 fr. 50 C. Zu beziehen:
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Einzelne Nummern 40 Pf.
Inserate: die durchlaufende Zeile ober deren Raum 30 Pf.
Neunzehnter
Jahrgang.
Sctobrr.
Anhalt: MtivtafelVTDrT'A l ex. Die st eTnTeTp
1. Nachwort 31t Dr. Haup 1 's Artikel „Ueber Gesundheitspflege". VmmHe^rc^^s^^-<F^rtst)^
2. Zur Abwehr: S.-Nath Dr. P. N i e m e y e r in seinen „Sprechstunden". Vom Herausgeber.
3. An die Freunde einer naturgemäßen Lebens- u. Heilweise. Von einem Gesinnungsgenossen.
4. Meine Herbstreisen von 1879 und 1880. Vom Herausgeber.
5. Für Jmpfschutznarren und zum Verhalten gegen das Zwangsgesetz.
6. Zum Lazarusfonds.
Briefwechsel für Alle. Inserate.
(Fortsetzung der vorigen.)
Die ersten Monate nach der Staatsprüfung vergehen in wohlverdienter Ruhe. Je weiter
die Zeit vorrückt, desto mebr runden sich die hinter uns liegenden 4 akademischen Jahre zu
einem Bilde ad. Im Vordergründe stehen die 4 sich bekämpfenden Parteien, eine immer
einseitiger als die andere, nämlich d i e N e u r 0 p a t h 0 l 0 g e n , d i e H u m 0 r a l p a t h 0 -
logen, d i e P a r e n ch y m p a t h 0 l 0 g e n und die P h y s i k 0 - C h e m i k e r. Der
Nimbus der Autorität ist dahin gesunken; das Schauspiel, welches uns die Nachfolger des
gewaltigen Schön lein und des großen Johannes Müller geboten hatten, war zu
unharmonisch, als daß es uns zum Beifall hätte hinreißen können. Der lächerliche Größen
wahn einiger Parteichefs, welcher durch die Bewunderung eines stellensuchenden wissen
schaftlichen Proletariats noch gesteigert wurde, wird einer der dunkelsten Punkte in der
Geschichte der deutschen Medicin bleiben. Um die Frage nach den Urbestandtheilen des
menschlichen Körpers entspinnt sich ein Streit zwischen dem Mikroskop und der organischen
Chemie. Das erstere sagt: Der Mensch besteht wie die Pflanze aus Zellen; die orga
nische Chemie und ihre physikalischen Freunde behaupten: daß, weil man bei der chemischen
Analyse von Organismen keine besonderen Substanzen, sondern nur die auch in der an
organischen Chemie bekannten M o l e c ü l e der Elemente sammt einer Anzahl Verbindungen
erhalte und weil man Harnstoff und andere Producte des organischen Lebens künstlich
herstellen könne, auch das Leben des Menschen auf die physikalisch-chemischen
C i g e n s ch a f t e n der M 0 I c c ü I e zurückgeführt werden müsse. Das Mikroskop
behauptet: daß die Form d e r Z e l l e; die p h y srk 0 -ch e m i s ch e Physiologie
sagt: daß die physikalisch-chemische Beschaffenheit des Eiweißklümpchens die Art des Lebens
erzeuge. Hie Welf — Hie Waibling — Hie Zelle — Hie Mole cül —-
das ist der Schlachtruf des 2. Drittels des Jahrhunderts, das sind die Gegensätze der Partei
B i r ch 0 w und der Partei D u b 0 i s - R e y m 0 n d.
Dr. Alexander Diesterweg, gr. Hess. Stabsarzt in „Kritische Beiträge zur Physiologie".