Die sechste Zsonzo-Schlacht.
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41000 Mann einschließlich 14 000 Gefangene und Vermißte sowie über
M0 Kranke, standen erheblich höhere der Italiener gegenüber.
Die Eroberung des Mt. S. Michele war ein taktisch sehr bedeutsamer
Gewinn, weil der Berg für das Karst-Plateau und auch für die Wippach-
Niederung die günstigsten Beobachtungsmöglichkeiten bot. Die Besetzung
von Görz war taktisch von erheblich geringerem Wert; ja sie barg sogar
schwere Nachteile, da der Ort unmittelbar am Fuße der Höhen lag, auf denen
die neue Stellung der Verteidiger verlief. Außerdem wurde der neugewonnene
Raum östlich des Isonzo im Norden und Süden von .höhenrändern flankiert,
die noch in österreichisch-ungarischem Besitz waren. Generalleutnant Cadorna
schreibt in seinem Buche über den Krieg: „Als Görz besetzt worden war,
schien ein großer Erfolg errungen zu sein; man bedachte dabei aber nicht,
daß dieser Erfolg, wenn er auch wirklich ein großer moralischer war, mili°
tärisch fast nichts bedeutete, wenn nicht gleichzeitig auch die Höhen erobert
wurden, die die Stadt von Osten bedrohten und die für uns den natürlichen
Brückenkopf auf dem Ostufer des Isonzo bildeten . . . Der günstige
Augenblick war nicht wahrgenommen worden . . . Man ließ dem Feinde
Zeit, sich in einer Linie zu setzen, aus der er während der ganzen Dauer
des Krieges nicht vertrieben werden konnte"').
Gleichwohl löste die Eroberung der Stadt Görz, war diese auch nur noch
ein Trümmerfeld, in ganz Italien ungeheuren Jubel aus. Sämtliche Ver-
Kündeten sandten feierliche Glückwunschtelegramme. Görz war ein Name,
mit dem sich endlich ein wahrnehmbarer Erfolg verband, ein erster sichtbarer
Schritt auf dem Wege zur Befreiung der „unerlösten Provinzen", deren
Wiedergewinnung die Irredenta als Kriegsziel der öffentlichen Meinung
des Landes eingehämmert hatte.
') Cadorna, a. a. €>., S. 288 f.
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