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Der Feldzug im Westen bis Mitte April 1915.
2«. März bis
1. April.
servekorps die Lage. Als Reserve der Obersten Heeresleitung traf am
17. März im rückwärtigen Armeegebiet die mit russischen Gewehren be¬
waffnete Infanterie der 56. Infanterie-Division (112. Infanterie-Brigade)^)
ein. Am Abend des Tages ordnete ein Armeebefehl Wiedernahme des um
Höhe 196 verlorengegangenen Geländes im Gegenangriff „nach gründlicher
Vorbereitung" an. Generalleutnant Fleck Übertrug die Leitung des An¬
griffes dem Kommandeur der 16. Reserve-Division, Geyeralmajor v. Altrock,
und zog hinter dem Abschnitt dieser Division bis zum 18. März abends
vier Infanterie-Bataillone zusammen. Der Sturm wurde auf den 19. März,
7M abends, festgesetzt. Eine Artillerie-Feuervorbereitung von zehn Minuten
sollte ihm vorausgehen. Der Gegner erkannte aber bereits die Bereit¬
stellung zum Angriff und überschüttete die deutschen Truppen mit Artillerie-
und flankierendem Maschinengewehrfeuer. Die feindlichen Grüben füllten
sich immer mehr aus. Die zum Angriff vorgehende deutsche Infanterie hatte
den Eindruck, daß der Gegner selbst zum Sturm antreten wollte; ihr Angriff
blieb in den Hindernissen vor den dicht besetzten französischen Gräben
liegen. Ein westlich davon angreifendes Infanterie-Regiment des
VIII. Armeekorps erlitt so starke Verluste, daß es ebenfalls kaum vorwärts
kam. Dagegen konnte sich südlich Ripont ein sächsisches Reserve-Regiment
in den Besitz eines Franzosengrabens setzen und rund 300 Gefangene vom
französischen XVI. Armeekorps einbringen. Dieses Regiment verdankte
seinen Erfolg nicht Massenstößen, sondern vor allem gut geführten, zähen
Handgranatenwerfer-Trupps. Diese Trupps arbeiteten sich — Handgranaten
schleudernd — in den Resten der Annäherungs- und Kampfgräben von
Schulterwehr zu Schulterwehr beiderseits umfaffend, oft auch gleichzeitig
frontal, gegen die „Franzosennester" vor. Der eingedrungene Gegner
wurde dadurch immer mehr zusammengedrängt, bis er sich ergab oder die
Cinbruchsstelle räumte.
Im letzten Märzdrittel klang die Winterschlacht ganz allmählich ab.
Mit dem Nachlassen des feindlichen Druckes gewann bei der deutschen
Führung sofort wieder der Angriffsgedanke die Oberhand. Bereits am
20. März befahl das Armee-Oberkommando die Wegnahme der Franzosen¬
nester auf dem linken Flügel des VIII. Armeekorps und dem rechten des
VIII. Reservekorps.
Am 24. März traf ein Befehl der Obersten Heeresleitung
ein, demzufolge die 56. Infanterie-Division dem VIII. Reservekorps
zugeteilt wurde. Das VIII. Armeekorps mit der 1. bayerischen Landwehr-
Brigade und einem hessischen Landwehr-Regiment sollte abgelöst und durch
9 über die Aufstellung neuer Infanterie-Divisionen vgl. S. 303 ff.