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Die Winter-Masurenschlacht.
8. Februar.
erließ das Armee-Oberkommando 10 erst in letzter Stunde anr Abend
des 7. Februar. Während der den Südflügel der Armee bildenden
16. Landwehr-Division (Königsberg) zunächst noch die Auf¬
gabe zufiel, die gegenüberliegenden Kräfte zu binden, sollten die drei an¬
greifenden Korps, das XXXVIII., links daneben das XXXIX. Reserve-
korps und im Norden das XXI. Armeekorps, zu einer großen Rechts¬
schwenkung nach Südosten gegen die 30 Kilometer breite Linie Stallu-
pönen—Wylkowyszki und damit gegen die Hauptrückzugsstraße und
Eisenbahn des russischen Nordflügels antreten. Dabei hatte der rechte
Flügel südwestlich an Pillkallen vorbei, der linke an der Landesgrenze
entlang über Wladyslawow vorzugehen. Zu scharfes Vordrängen, be¬
sonders des XXXVIII. Reservekorps, sollte, falls der Gegner nicht zurück¬
wich, am 8. Februar vermieden werden, um die Ilmfassung zu voller
Wirkung kommen zu lassen. Dagegen wurde dem XXI. Armeekorps
„unaufhaltsames Vorgehen" zur Pflicht gemacht. Die 1. Kavallerie.
Division, die sich noch am 8. Februar auf dem äußeren Armeeflügel
sammeln sollte, wurde dem XXI. Armeekorps unterstellt. Weitgehende
Aufklärung in den Rücken der feindlichen Armee und auf Kowno sowie
baldige nachhaltige Zerstörung der Bahn Stallupönen—Kowno in der
Gegend von Pilwiszki wurde gefordert. Die 5. Garde-Infanterie-
Brigade hatte sich zur Verfügung des Armee-Oberkommandos nach
Lasdehnen zusammenzuziehen; Teile der 1. Kavallerie-Division und das
Truppenkommando TilsitZ hatten in ihren bisherigen Stellungen die rück¬
wärtigen Verbindungen der Armee zu decken. Das Armee-Oberkommando 10
wollte zunächst in Insterburg verbleiben.
Der Vormarsch des ersten Tages vollzog sich unter erheblichen
Reibungen und führte nicht annähernd zu dem Ergebnis, das die Führung
erhofft hatte.
Gegen die 16. Landwehr-Division eröffneten die Russen bei
Tagesanbruch Artilleriefeuer. Als die Infanterie des Nordflügels sich gegen
die feindlichen Schützengräben entwickelte, fand sie diese stark besetzt; rück¬
gängige Bewegungen der Russen waren nirgends zu erkennen.
Die Divisionen des unter dem Befehl des Generals der Kavallerie
v. der Marwitz stehenden XXXVIII. Reservekorps kamen bei starkem
Schneesturm nur langsam vorwärts. Drei Kilometer in der Stunde waren
für Infanterie und Geschütze Höchstleistungen; Feldküchen und Troß blieben
dahinter noch zurück. Erst gegen 2° nachmittags konnten sich die Divisionen
0 S. 171/173.