119
Neue Angriffsversuche der deutschen Südarmee.
Gerok noch das Korps Hofmann hatten wesentlichen Geländegewinn zu ver¬
zeichnen. Am 10. März vermochte die 1. Infanterie-Division auf dem
Sattel zwischen den beiden Höhen des Zwinin festen Fuß zu fassen. Am
diesen Erfolg zu erweitern, beabsichtigte General v. Linsingen, die 4. Infan¬
terie-Division hier einzusetzen. Da aber Feldmarschalleutnant Hofmann
meldete, daß er bei der allgemeinen Erschöpfung seiner Truppe nicht die
ganze Division entbehren könne, wurde nur eine Brigade entsandt. Diese
Hilfe genügte nicht, eine entscheidende Wendung herbeizuführen. Am
13. März gingen die Muffen zu heftigen Gegenstößen über, die aber im
allgemeinen abgewiesen wurden.
Am gleichen Tage hatte General v. Linsingen eine Anfrage des deut¬
schen Generalstabschefs, ob noch für den März Aussicht auf Durchkommen
durch das Gebirge bestände, unter der Voraussetzung bejaht, daß der An¬
griff auf der gesamten Karpaten-Front fortgesetzt würde, und daß
milderes Wetter einträte. Am 17. März traf jedoch die Weisung von der
österreichisch-ungarischen Heeresleitung ein1), daß der Angriff bis zum Ein¬
treffen der Ergänzungen im wesentlichen nur noch von der Südarmee und
der Armee Pflanzer fortgeführt werden sollte. General v. Linsingen legte
daher am 18. März in einem Immediatbericht an den Deutschen Kaiser
seine Auffassung der Gesamtlage an der Karpaten-Front dar: Nach den
bisherigen Erfahrungen böte ein frontaler Durchbruch durch das Gebirge
keine Aussicht auf Erfolg, wohl aber ein mit starken Kräften nördlich der
Karpaten geführter Angriff. Cr glaubte, das Gelingen dieser Operation
zusichern zu können, wenn hier eine starke Armee unter deutscher Führung
versammelt würde. Hierzu müßten die drei deutschen Divisionen der Süd¬
armee, die fortan defensiv zu bleiben habe, herausgelöst und wegen der un¬
günstigen Bahnverhältniffe im Fußmarsch auf den linken Flügel der Armee
Pflanzer geführt werden. Erwünscht wäre ihre Verstärkung durch eine
weitere deutsche Division und ein österreichisch-ungarisches Korps. Der
Aufmarsch würde zwei bis drei Wochen beanspruchen.
Am 20. März ging die Südarmee entsprechend den Weisungen des
Generals v. Conrad von neuem zum Angriff vor, doch kam es nur zu rein
örtlichen Erfolgen.
Die Ereignisse nördlich der Karpaten bei der Armee¬
gruppe Pflanzer bis zum 22. März.
In der Zwischenzeit hatte sich auch auf dem äußersten rechten Flügel
der Karpaten-Front ein Amschwung angebahnt. Ende Februar war es den
0 S. 124.