Volltext: Vom Ausklang der Schlacht bei Limanowa-Łapanów bis zur Einnahme von Brest-Litowsk 2 : Das Kriegsjahr 1915 1 [Textbd.] (2 : Das Kriegsjahr 1915 ; 1 ; [Textbd.] ;)

Zwiespalt unter den russischen Fuhrern 
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schilderte der Chef des Generalstabes die Gesamtlage in nicht erfreuli¬ 
chem Lichte. „Alle Kriegführenden sind einander gegenüber festgefahren, 
so daß die Lage eine stationäre ist, woran die täglichen lokalen Kämpfe 
wenig ändern..Er halte einen Erfolg nur im Räume östlich von To- 
maszów möglich, wozu aber der Einsatz von mindestens sechs deutschen 
Divisionen erforderlich sei. 
Während Gdl. Conrad auf diese Weise den Feldzug bis zur Nieder¬ 
werfung des feindlichen Heeres fortführen wollte, sann man im russi¬ 
schen Lager über neue Pläne, um den Entscheidungskampf westlich von 
der Weichsel und dem San wieder aufnehmen zu können. 
Gen. Rußki hielt seine Armeen nicht mehr für stark genug, den An¬ 
griffen der Deutschen hinter der Rawka und der Bzura -standzuhalten 
und wollte daher bis in die „Warschauer Vorstellung" zwischen Nowo 
Georgiewsk und Gora Kai war ja zurückgehen1), wobei er überdies von 
der Sorge um den schon immer erwarteten Vorstoß des Gegners von Mlawa 
her erfüllt war. Das deutsche Korps Graudenz hatte die auf dem rechten 
Weichselufer operierenden Flügelgruppen der russischen 1. Armee an¬ 
fangs Dezember wieder auf Sierpe, Ciechanów und Przasnysz zurückge¬ 
drückt, mußte jedoch in der Monatsmitte infolge des Eingreifens von 
russischen Verstärkungen abermals gegen die westpreußische Südgrenze 
ausweichen. Aber Rußki hatte in diesen Tagen alle Zuversicht verloren, 
denn die Offensive seiner 10. Armee war in Ostpreußen an der Angerapp 
und an den Masurischen Seen festgelaufen, auch traute er seinen Streit¬ 
kräften in Polen keine Kampfkraft zu, ehe ihre Gefechtsstände wieder 
aufgefüllt waren. 
Dagegen wollte der Großfürst-Generalissimus seinen großen Ein¬ 
bruchsplan nach Deutschland noch immer nicht aufgeben. Er bemühte 
sich, die Lage der Nordwestfront durch einen Gegenschlag mit den an 
der Pilica und Bzura versammelten Armeen — 4., 5., 1. — wiederherzu¬ 
stellen. Ohne Iwanows Einspruch zu beachten, ordnete er am 16. De¬ 
zember die Verlegung der Garde von der 9. Armee in die Gegend von 
Siedlec an, wo sie zur Verfügung der Stawka zu stehen hatte. Ende De¬ 
zember sollte zu dieser Reserve noch das IV. sib. Korps hinzutreten. Außer¬ 
dem schob er die 3. turk. SchBrig. von Brest-Litowsk mit der Bahn nach 
Warschau zur Verstärkung der Nordwestfront heran. Trotzdem bestand 
Rußki am 17. auf dem weiteren Rückzug. Gab ihm nun das Höchstkmdo. 
nach und gingen die Nordwestarmeen auf Warschau zurück, dann riß 
der Zusammenhang der beiden Heeresfronten und Iwanow wäre genötigt 
*) Nesnamow, III, 14 ff.
	        
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