Volltext: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich

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X. Abschnitt. 
Schicksale des Stiftes während der französischen und bayerischen 
Administration und unter den beiden darauf folgende« Pröpsten, 
Peter Schmid und Anton Straub, von 1810 bis 1857. 
Nach dem Hintritte des Propstes Ambros sollte auch die 
Stiftung Werners das Loos der Vernichtung treffen. Durch den 
am 14. Oetober 1809 zu Wien mit Napoleon abgeschlossenen 
Friedensvertrag war nämlich das Jnnviertel mit einem Theile des 
Hausruckviertels unter französische Landeshoheit gekommen, welche 
für diesen Landstrich zu Ried eine eigene Verwaltung einsetzte, 
deren Gouverneur zu Aurolzmünster residirte. Diese französische 
Landesregierung nahm 1810 hier, wie im Stifte Ranshofen, die 
Inventur vor und setzte nach einigen Wochen das Stift Reichers- 
berg vorläufig bloß in Administration, indem sie jedem der hier 
befindlichen Capitularen eine Pension von 600 ft. R. W. anwies, 
und fing dann an das Getreide ans der Wurzel sowie auch eini¬ 
ges Vieh zu verkaufen, als auf einmal das Gericht sich verbreitete, 
Bayern protestire wider allen Verkauf und wenn Jemand etwas 
kaufe, müsse er solches ohne Ersatz wieder zurückgeben. Nachdem 
aber das Jnnviertel den 20. September des nämlichen Jahres 
von Frankreich an Bayern abgetreten und am 29. von der bayeri¬ 
schen Krone war übernommen worden, kam der bayerische Com- 
missär Fischer hieher und fuhr, obwohl das Stift nicht aufgelöst, 
sondern nur in Administration gesetzt war, fort, alles noch übrige 
Getreide, Vieh, Weine und sämmtliche Fahrnisse des Meierhofes 
und Einrichtung im Stifte, sogar die Fenster und Schlösser von 
den Thüren licitando um Spottpreise zu verkaufen, das Bräu- 
haus hingegen, die Mühle und die Grundstücke zu verpachten. 
Das hieraus gelöste Geld sowie die durch den mit der Tempo- 
ralienadministration beauftragten Hofrichter Kurzwernhart aus der 
Stiftsherrschast eingehobenen Gebühren mußten an die bayerische 
Finanzdirection zu Passau abgeführt werden; während die Ver¬ 
waltung der in Niederösterreich gelegenen Besitzungen des Stiftes
	        
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