Wenn einstmals strahlend der Tag des Sieges ange ­ brochen ist, dann wind Zeit sein von dem Opfermut unserer Truppen, von den Gefahren, in denen sie lebten, von der markzerstörenden Kälte, die ihnen die Kleider zu schweren Rüstungen gefrieren ließ, von dem unermüdlichen Fleiß unserer Arbeiterabteilungen und dem verständnisvollen Zuisammenwirken Aller zu spre ­ chen, deren Ergebnis der Sieg und der Friede für unser Vaterland war. Am 21. Dezember wurde der aus dem Skikurse eingerückte Leutnant Karl Gantner, dessen jugendliche Begeisterung 1914 die Aufnahme in die Franz Josef-Militärakademie und nach seiner Ausmusterung am 18. August 1915 nunmehr die erstrebte Verwendung an der Front erreicht hatte, mit dem Aufträge, die Skiverwendbarkeit im Negimentsabschnitte festzustellen, zum Skireferenten des Regimentskommandos bestellt. Eifrig machte er sich sofort auf den Weg zum linken Flügel und schon in der ersten Nacht, be ­ günstigt von fast taghellem Mondschein, mit dem größten Teil dieses Front- stückes bekannt. Seine Tagebuchaufzeichnunge» zeigen einen prächtigen frühreifen Men ­ schen, der uns nur zu bald entrissen werden sollte. Am 24. Dezember war er wieder beim Regimentskommando zur Be ­ richterstattung und Teilnahme an der Weihnachtsfeier. Von allen Seiten waren Liebesgaben eingetroffen. 24 Wagen mit Liebesgaben wurden allein für unser Regiment über die Etappenstraße ge ­ leitet. Der Kriegsfürsorgeausschuß der k. k. Post- und Telegraphendirektion Linz hatte 25 Uhren geschickt; die Vermittlungsstelle des Kriegsfürsorgeamtes in Linz sandte 94 Kisten mit Liebesgaben; eine Kärntner Aktion, der Gräfin Marie zu Lodron vorstand, schickte 219 Kisten für die Verteidiger der Kärntner Front, von denen ein Teil auch unserem Regiment zufiel. Aus München waren 11 Kisten Liebesgaben eingetroffen. 20 Pakete waren vom Offfzierstöchterinstitute in Hernals gekommen. Die Generalstabsabteilung unserer Division machte den Soldaten Weihnachtskarten zum Geschenke. Auch die Kameraden der 3. Ersatzkompagnie in Brünn hatten unserer ge ­ dacht und 6 Pakete mit Liebesgaben gesandt. So brachte der 24. Dezember durch die überreich aus der Heimat eingelangten Liebesgaben eine unbeschreiblich freudige Festesstimmung für jeden vom Regiment, die sich von den zeitweiligen feindlichen Gewehr ­ schüssen nicht stören ließ und als Vorspiel zu dem heutigen Radio mit rednerischen und musikalischen Improvisationen aller Art durch das Tele ­ phon bald von den äußersten Posten und von verschiedenen Stationen zu den andern Hörstellen, bald vom Regimentskommando an alle kundgab. Die Klänge der Grammophone, deren zwei unter den Liebesgaben waren, fanden den größten Beifall. Der Vermittlungsstelle des Kriegsfürsorgeanites wurde mit herzlichem Danke des Regiments folgender Stimmungsbericht gesendet: Leutnant Karl Gantner. Am dunklen Berghang strahlt im Kerzenschimmer Der Weihnachtsbaum — und rings um ihn ge ­ schart Soldaten, braune, bärtige Gesichter, Gewohnt, in nächster Näh dem Schlachtentod Ins Aug zu sehen. Heute aber leuchtet In ihren Augen helle Weihnachtsfreude Und ausgelöscht, wenn auch für Stunden nur, Ist Haß und Krieg vom heiligen Weihnachts ­ frieden. 112