102 hohen senkrechten Felswand entlang führt und in den alten Weg einmündet. Dieser Weg führt vorbei an «den auf massiven Stützmauern ruhenden Unterkünften eines Neservezuges der 2. Kompagnie, der gegenwärtig an der Herstellung des Weges arbeitet und dessen Aufgabe im Winter seine Erhaltung sein wird. Kommandant dieser Abteilung und Bauleiter ist Fähnrich Wagner, dem unsere Stellung manche Wege und Verteidigungs ­ anlagen zu danken hat. Dev Weg führt von der Rückfallskuppe zur Hütte des Bataillons-Kommandanten Major Krauß. Hier herrscht rege Bautätigkeit. Ein Bataillons-Hilfsplatz ist im Bau, daneben wird ein Blockhaus für einen Halbzug (Bataillonsreserve) gebaut. Da der Stand ­ punkt des Bataillonskommandos den Graben flan ­ kierend beherrscht, tst die Stellung dieses Halbzuges eine günstige Flankierunganlage, die im Falle eines Durchbruches den Gegner aufzuhalten hat. In diesem Falle würde auch der Zug unterhalb Kote 1288 flan ­ kierend eingreifen. Oberhalb des Bataillonskommandos teilt sich der Weg und führt rechts ''in die Mulde zwischen Lipnik und Kote 1776, links in Serpentinen zur Felsenburg auf dem Teufelsfelsen empor. Eine Beschreibung der beiden Abschnitte möge den Ausbau derselben zeigen. Stellung Buresch und Neumann. Von der Brücke zwischen Vrsie und Teufelsfelsen streicht, wie schon erwähnt, eine Schutthalde im Winkel von 30 Grad herab und steigt sanft an gegen die Mulde zwischen Lipnik und 1776. Hier ist dem Gegner der Weg zum Angriffe auf das erste große Einfallstor unserer Stellung gegeben. Die Stellungen der Kom ­ pagnie Buresch mußten -also derart angelegt werden, daß sie nicht nur im Verein mit der Kompagnie Neu ­ mann das Tal sperren, sondern auch die Brücke und die Hänge des Vrsie bestreichen können. Wer vom Regimentkommando zu diesen Stellungen empor steigt, der wird Zeuge eines seltsamen Kontra ­ stes. Dort unten regengrauer und dennoch buntfär- biger Spätherbst, hier oben tiefer, weißer nebelumspon ­ nener Winter. Die ganze Talmulde ist ein riesiges Felsenlabyrinth. In welchen Linien liegt ein Schnee ­ mantel über den schroff zerrissenen Formen, Schnee leuchtet aus den roten Wäldern am Berghange, Schnee in unermeßlicher Fülle, dehnt sich in das Grau der Nebel hinein, die dichter und dichter sinken. Da leuchtet ein Lichtlein rosig aus dem Nebel, bei der nächsten Wegbiegung taucht ein zweites, drittes, viel ­ tes auf und ein gellender Juchzer verfolgt von der Meute des vielstimmigen Echo, springt von den Wän ­ den nieder. Wir sind im Lager. Das Lager ist gedeckt in einen Felswinkel des Lip- nikhanges hinein gebaut. Es besteht aus 11 Hütten, zwei Küchen und einem Verpflegsdepot. Von hier aus gelangt man auf einem vollkommen gedeckten Wege in die Muldenstellung. Ihr rechter Flügel ist vom er ­ sten und zweiten Zug bezogen, den linken Flügel, des ­ sen Deckungen sich jenseits der Mulde hinter einer hoch ­ getürmten Felswand verbergen, hält der 3. und 4. Zug besetzt. Die Muldenstellung ist geschützt durch ein Drahtverhau von spanischen Reitern. Vor dem Draht ­ verhau liegen Tretminen, zwischen dem Verhau und den Steinmauern der Kampfstellungen sind Fallschlin ­ gen gelegt. Etwa 100 Schritte von dem rechten Flügel der Muldenstellung ist eine halbkreisförmige Deckung gebaut, «welche von der Feldwache 6 bei Nacht und Nebel bezogen wird. Die Höhenstellung erhebt sich über die Mulde, wie das Vorwerk einer Burg. Senkrecht streben die Fel ­ sen auf, senkrecht stürzen sie über den Vrsie wieder ab, auf den Höhen mehrere etagenförmig übereinander ­ liegende Plattformen bildend. Hier liegen in immer überhöhenden Stellungen vier Feldwachen. Die Feld ­ wache 4 liegt auf einer Terrasse am Süostabhange des Felsens. Hiev sind wie Schwalbennester drei Bal ­ köne aus Sandsackmauern als Deckungen für die Ve- detten in die Felsen hineingebaut. Hinter den Felsen birgt sich in einem liefen Loche ein granatsicherer, heizbarer Unterstand. Von hier aus führt ein schmaler, gefährlicher und vollkommen eingesehener Weg zur Feldwache 3 empor, die indes sicherer vom Lager zu erreichen ist. Der Weg, der vom Lager zur Höhenstellung führt, ist von phantastischer Kühnheit und erinnert an eine Freischützszenerie. An einem senkrechten Fels führen Leitern empor und plötzlich steht man vor einer Fels- höhle. In sie hinein fügt sich eine Bretterhütte, das Heim des Fähnrichs Wagner, des Erbauers des Fels ­ weges, der Höhenstellung und der künftigen Winter- stellung. Von der Höhle führt ein schmaler Weg an der Wand vorbei zu einem Plateau, auf dem der fünfte Zug in drei Hütten seine Reservestellung hatte. Bon hier blickt man empor zur Feldwache 3, die gedeckt auf einem hochgelegenen Plateau postiert ist. Schwin ­ delnd steil steigt ein Leiterweg etwa 30 Mter hoch empor. Noch ein paar Meter höher gelangt man wie ­ der über eine Leiter zum höchsten Plateau der Fels ­ gruppe. Hier wurde ein Tagesstandpunkt ausgebaut, der jedoch nur im Falle eines Alarmes bezogen wird. Eine Sandsackmauer baut diese unbezwingliche Höhe wie das Plateau eines Wartturmes aus. Von hier aus beherrscht man die Mulde und das Tal zwischen Vrsie und Lipnik, bestreicht den Kamm und die Hänge des Vrsie und kann selbst in einen Kampf der 2'1er flan ­ kierend eingreifen. Von hier aus übersieht man die ganze Muldenstellung und die tiefer liegenden Feld ­ wachen 5 und 4 und blickt hinauf zu den Feldwachen 2 und 1, welche auf noch höheren Kuppen des Lipnik- hanges liegen. Wie hier geschildert, stellte sich die