13* 99 Brücke un'b längst der Südostwand des Vrsiö führt eine Sandmure gegen die Mitte unserer Stellungen, die sich dort allerdings hoch und steil aus dem Stein ­ llar am Firße des Vrsiö erheben. Nur eine kleine Schlucht eröffnet hier ein Tor. Auch hier fände nach einem gelungenen Durchbruche der Gegner einen Weg durch den ins Lepenjatal führenden Gräben. Diese drei Woge zu verrammeln, war Aufgabe unserer Stel ­ lungen. Der Vrsiö setzt sich fort in einem langen Ver- bindnngsrücken, über den eine Einsattelung führt. Ter Rücken erhebt sich zu der in wenig überhöhenden Kote 1 8 7 0, einer flachen Kuppe. Die Wände des Rückens und der Kuppe fallen steil gegen unsere Stellung ab und bieten nur einen Weg zum Angriffe der vom Sattel über die schon erwähnte Sandmure herabführ-1. Der Rücken zeigt starke Drahthindernisse und Deckun ­ gen. Aus dem Rücken steigt steil empor Kote J 9 6 0. Die Wände des Verbindungsrückens und der stark vor ­ springenden Kote 1960 bilden gegen Norden einen Winkel, in dem eine Sandmure steil herabläuft. Auch hier bietet sich dem Feinde ein Weg, auf dem er im September einen Angriff versuchte. Unterhalb Kote 1960 steht ein in einem Stollen eingebautes Gebirgs- geschütz, dessen Feuer auf Kote 1776 gerichtet ist. Der nächste Ängriffsweg führt die Italiener von ihrem mächtigsten Stützpunkte, der V r a t a, die mit ihrer Nebenkuppe wie eine doppeltürmige Cyklopen ­ burg aufragt. Von den Steilhängen der 2014 Meter hohen Vrata führt ein Grasband herab auf einen vor ­ gelagerten Rücken, von dem aus man durch ein Latschenfeld über eine Geröllhalde einen direkten Weg ins Tal gewinnt. Gegen die Steilwand der Vrata lehnt sich eine Kirppe, von uns „Adlerhorst" genannt, ans die man vom vorerwähnten Latschenfelde aus durch ein Gewirr von Klippen und Riffen aufsteigen kann. Von hier ans bietet sich ein Abstieg einerseits ins Lepenjatal, andererseits zu dem Weg, der auf den Poto öe-Sattel führt. Diesen Weg könnten kühne Patrouillen auch durch einen von der Nebenkuppe (2102) herabführenden Kamin erreichen. Alle diese Wege hat der Feind durch Feldwachen und stehende Posten gesichert. Vrata und Nebenkuppe sind mit star ­ ken Drahtverhauen befestigt und zeigen gut ausge ­ baute Deckungen. Die Vrata ist der Standpunkt zweier Gebirgsgeschütze und eines Artilleriebeobachters. Der aus der Mulde hinter der Vrata aufsteigende Rauch und die zeitweise lebhafte Bewegung in der Mulde rechtfertigen den Schluß, daß hier eine starke feind ­ liche Besatzung liege. Der Kammlinie des Gebirgszuges vorgelagert wen ­ den sich gegen Norden die beiden Kuppen Kote 19 9 6 und Kote 1 8 4 5, die steil gegen den Kamm auf italienischer Seite und in Schutthalden von etwa 30 Grad Steigung gegen unsere Stellungen abfallen. Kote 1996 zeigt starke, unsere Stellungen flankierende Befestigungen. Kote 1845 bildet mit der gegenüber ­ liegenden Kote 1 9 7 6, einem mächtigen Steilgipfel des V e l k i L e m e z, den Potoe e-Sattel. Uber ihn führt ein Fußweg, der die Almen Pl. Z a Grebe- n o m und, Pl. na Po l j u verbindet, an der erstge ­ nannten Alm vorbei ins Lepenjatal. Am Velki LemeL, der von Landwehrinfanterieregiment Nr. 27 besetzt ist, endet unsere Stellung. Ihre Aufgabe ist dem Feinde die zahlreichen Wege ins Lepenjatal — und damit auch ins Tal der Soöa und in den Rücken des Flit- scherbeckens — zu versperren. Unser Grenzwall. Dem Verständnis und der Umsicht aller Komman- danten, der eifrigsten Arbeit und dem unermüdlichen Allsharren der Mannschaft, wie dem planmäßigen Zusammenwirken Aller gelang es, in klügster Aus ­ nützung des Terrains und steter Verbesserung des Ge ­ schaffenen unsere Stellung zu einer Felsenfestung aus ­ zubauen, die unüberwindlich ist trotz ihrer gefähr ­ lichen Lage. Auch in Bezug aus Verteidigung hat der gegenwärtige Krieg, der viele alte Anschauungen zer ­ störte, neue Lehren geprägt. Nie hätte man es bei einer Friedensübung gewagt, im Gebirgskrieg eine Vertei ­ digungsstellung zu wählen, die direkt unterhalb der feindlichen Feuerstellung liegt. Hier zwang die Not ­ wendigkeit, die Straße in den Rücken des Flitscher- beckens nicht preiszugeben, eine Stellung zu halten, die von der feindlichen an manchen Stellen um 400 bis 600 Meter überhöht wird — und es gelingt nicht nur sie zu halten, sondern auch sie derart auszubauen, daß sie vor schweren Verlusten schützt. Mächtige Türme flankieren unsere Felsenfestung. Am rechten Flügel ragt stolz ein Doppelturm auf, der Lipnik und der hohe Felsenturm von Kote 1 776, von uns „T e u f e l s f e l s e n" genannt. Zwischen ihnen ein breites Tor, die Mulde. Den Lipnik hält die 9. Kompagnie vom Landwehrinfanterieregiment Nr. 2, Kommandant Oberleutnant Pernev, welche dem Landwehrinfanterieregiment Nr. 21 zugeteilt ist. Vom Lipnik streichen gegen Südost Felsterrassen herab, welche sich wie eine Vorbnrg hoch über die Mulde erheben. Hier beginnt der rechte Flügel unsere Stel ­ lung, der gehalten wird von der 4. Kompagnie, Kom ­ mandant Oberleutnant Dr. Buresch. Der linke Flügel dieser Kompagnie sperrt die Mulde und schließt an die 2. Kompagnie, Kommandant Oberleutnant Neumann, deren rechter Flügel gleichfalls die Mulde besetzt hält, während die Stellungen des linken Flügels, die einen Felsenhang emporziehen, eine Vorburg für den Teufelsfelsen bilden. Der Teufelsfelsen, der mächtigste Stützpunkt unseres Grenzwalles, hebt sich wie eine uneinnehmbare Felsenburg hoch über die anderen Stellungen. Hier liegt die 3. Kompagnie, Kommandant Hauptmann Kawinek, die bis zum Eintritte des Win-