98 Skizze 10 und 11 beiliegend. selcherei errichtet worden war, wurden allnächtlich die Tragtierstasfeln für die Versorgung des Front ­ abschnittes abgefertigt und wurde an der Aufstellung größerer Baracken gearbeitet, in welchen die Reserve, die sich durch die nicht aufgebrauchten Marschbataillone verstärkte, entsprechende Unterkunft fand. Weiter rückwärts in Log bei Kronau im Barackenlager des Bagagetrains hatte der Regimentstrainkommandant Hauptmann Balan und der Oberleutnantrechnungsführer Franz Kober ihre Kanzleien aufgeschlagen. Am 2. Dezember gratulierte der Landesverteidigungsminister Generaloberst Freiherr von Georgi dem Obersten Unger zur Nobilitierung mit dem Prädikate ,,von ^urawniki", wodurch Unger noch enger mit dem Regimente, das bei ^urawniki seine Feuertaufe empfangen hatte, verbunden wurde. Das winterliche Hochgebirgsbild bot einen prächtigen Anblick. Sein trügerischer Zauber durfte aber nicht nur mit Bewunderung betrachtet werden, sondern forderte auch allerhand Vorkehrungen und Vor ­ sichtsmaßregeln. Folgender um diese Zeit den vorgesetzten höheren Bild über unsere Stellungen: Der Gegner. Aus dem F l i t s ch e r b e ck e n steigt jenseits des I s o n z o, begrenzt durch die Furchen des S l a t e n >i> k- Gräbens und des L e p e n j a t a l e s, ein Gebirgszug empor, der, zu immer größeren Höhen anwachsend, von Nordwest nach Südost streicht und sich endlich im Fels ­ gewirr des Krn verliert. Es ist unwirtliches kahles Kalkgebirge, dessen Steilhänge aus gewaltigen Trüm ­ merfeldern und langgestreckten Schutthalden empor wachsen. Die außerordentliche Porosität des Kalkes, der hier als Gebirgsbildner auftritt, bedingt die Wasserarmut der Gegend und die rasche Verwitterung des Gesteins. Dadurch entstehen jene phantastischen Formen, jene riesigen, mit gigantischen Felsblöcken übersäten Schutthalden, jene Schluchten und Fels ­ stürze, die der Landschaft ihren wildprächtigen roman ­ tischen Charakter verleihen. Wer aber in kommenden Tagen dieses Gebiet bereisen wird, der wird es nicht so sehr seiner landschaftlichen Schönheit wegen auf- suchen, sondern deshalb, weil es einer der Schauplätze des grandiosen Ringens an der Jsonzofront, das ohne Beispiel dasteht in der Weltgeschichte. In jedem Ab ­ schnitt dieser Front trägt der Kampf einen anderen Charakter; hier wildes unablässiges Anstürmen, dort riesenhafte Artilleriekämpfe, an anderen Stellen wieder das starre, dem feindlichen Feuer wie dem Gewitter- sturm und der ertötenden Kälte trotzende Festhalten am Grenzwall, der den heiligen Heimatboden schützt. Im Frontabschnitte des Landwehrinfanterieregiments 2 zwingen die Terrainverhältnisse zum Ausharren in einer Verteidigungsstellung, die durch beständigen Ausbail zur unbezwingbaren Felsenfestnng neuge ­ schaffen wurde. Anlage und Ausbau der Stellung waren diktiert durch die vom Feinde besetzte Linie und die von hier aus gegebenen Angriffsmöglichkeiten. Der Schilderung unserer eigenen Stellung sei daher eine kurze Be ­ schreibung der feindlichen Stellungen und Angriffs ­ linien vorausgeschickt. Kommanden vorgelegter Bericht gibt ein genaueres Östlich der G o l o b a r - P l a n i n a gabelt sich, eine fast kreisförmige, große Steinmulde umschließend, das Gebirge in zwei parallele Züge. Das nördliche beginnt mit dem gegen Süden steil abfallenden Gipfeln Kote 1808 und Lipnik (Kote 1867), der südliche höhere Zug beginnt mit dem langgestreckten Rücken des Vrsie, auf dem die unserem Regimente gegen ­ überliegenden Stellungen der Italiener beginnen. Der Nordwestabhang des Vrsie ist in unseren Händen. Hier kämpfen die Vrsi -Männer, die heldenmütigen Kame ­ raden des Landwehrinfanterieregimentes 21. Vom Vrsie aus gehen die Stellungen der 21er, die Mulde umkreisend, zur Kote 1808 empor, erklimmen die Hö ­ hen des Lipnik und schließen hier an unsere Stellun ­ gen an, die am Lipnikhang beginnen. Der Vrsie, der den höchsten Punkt unserer Stel ­ lungen noch etwas überhöht, ist von uns gesehen eine Kuppe mit uns zugekehrtem Steilabfall. Er ist stark befestigt, trägt an der uns zugekehrten Wand viel- reihige Drahthindernisse und starke italienische Deckun ­ gen. Auf der Kuppe ist der Standpunkt eines Artillerie- beobachters und zweier Gebirgsgeschütze, deren Feuer vorwiegend Kote 1808, Lipnik, die an ihn anschließende Kote 1776 und die Mulde zwischen beiden bestreicht. Hinter dem Vrsie auf der P l a n i n a - z a K r a j u steht eine Gebirgsbatterie und eine Haubitzbatterie, weitere Batterien, auch schwere Haubitzen im Raume um Kote 1348 und R a v n a. Im Schutze dieser mäch ­ tigen Artillerie konnte — und kann auch künftig der Gegner seine Angriffe vom Vrsie aus auf unsere Stellungen wagen. Drei'Wege stehen ihm offen. Vom Vrsie aus zieht sich ein schmaler Felsgrat wie eine natürliche Brücke zur Kote 1776, von der aus man — allerdings eine hervorragende alpinistische Leistung — die Höhe durch einen Aufstieg in Kaminen und an Steilwänden erreichen kann; rechts von der Brücke (von uns aus gesehen) führt eine Schutthalde in den Muldengrund, von dort sanft ansteigend in die Mulde zwischen Lipnik und Kote 1776 und von hier durch einen Lawinengraben ins Lepenjatal; links von der