88 SCHIFFMANN, ZUR KENNTNIS DER ALTD. LITTERATUR Diese Strophe ist an anderer stelle der lis. schlecht widerholt. Dieselbe hand schrieb auf f. 38 b : Semper ego seruire uolo tibi virgo maria. Diese worte Mären uns über den Charakter der mhd. Strophe auf. Es sind verse auf Maria und wie anderweitige notizen in der hs. zeigen, sicherlich in Lambach geschrieben worden. C. Zum Baumgartenberger Johannes Baptista. K. Kraus meint (Deutsche gedichte des 12. jahrh., Halle 1894, s. 105), das Baumgartenberger gedieht auf den hl. Johannes Bapt., dessen anfangs verse bekannt ­ lich in die Kaiserchronik eingang gefunden haben, sei in Baumgartenberg selbst oder in einem benachbarten kloster entstanden. Dass Diemer Garsten als ort der abfassung ansehe, kann ich nicht mit Kraus aus des ersteren bemerkung zu Ezzo 17, 9fg. herauslesen. Es wird sich vielmehr Diemers notiz auf die herkunft der hs. beziehen und, soweit ich sehe, auf einer unrichtigen angabe beruhen, derzufolge Diemer die hs. gleich anderen Codices der Bibi. publ. in Linz für ehemaliges Garstener eigentum hielt. Aber auch daran ist nicht zu denken. Da es natürlich nicht gleichgiltig sein kann, wo der Johannes abgefasst wurde, möchte ich in den folgenden zeilen eine andere auffassung Vorbringen. Ich will bei dieser gelegenheit betonen, dass bei bestimmung und einreihung altdeutscher denkmäler aus klöstern selten gründlich vorgegangen wird, wie das viel ­ fach unrichtige benennungen erkennen lassen. Für klösterliche handschriften käme in sehr vielen fällen fremde herkunft in betracht. Schon Scherer (Gesch. d. deutschen dichtung im 11. und 12. jahrh. QF. XII [1875], s. 69) hat darauf hingewiesen, dass die Verehrung des täufers Johannes in den auf ihn verfassten gedichten dieses Zeitraums in merkwürdiger weise hervortrete. Johannes der täufer, welcher bei seiner gebürt die von banden der Stummheit gefesselte zunge seines vaters löste, so dass dieser den herrlichen lobgesang, der als Benedictus bekannt ist, anstimmen konnte, galt im mittelalter als patron der sänger und sängerschulen. Darum waren ihm auch die cantores besonders hörig, seine diener (J. Kayser, Beiträge zur gesch. und erklärung der alten kirchenhymnen II, Paderborn 1886, s. 277). Vielleicht haben wir an eine solche beziehuug zu denken, wenn sich im Maria Saaler Joh. Bapt. am Schlüsse der ‘priester Adelbreht’ als Verfasser des gedichtes einen ‘scalch unde chneht des heiligen mannes, sancti Johannes’ nennt und in ähnlicher weise Heinrich, der Verfasser der litanei. Bemerkt muss werden, dass gerade in den urkunden von Cistercienserklöstern uns weit öfter als der scholasticus der cantor begegnet. Die ersten mönche von Baumgartenberg (1141 gegr.), zwölf an der zahl, mit dem abte Friedrich an der spitze, kamen aus dem Cistercienserkloster Heiligenkreuz bei Wien. Bei diesem umstände darf man in beziehuug auf die herkunft des codex sowol, wie des gedichtes auf das kloster Heiligenkreuz hinweisen, welches die nach Baum ­ gartenberg ausziehenden brüder doch wol auch mit büchern versehen haben wird. Aus einem ausgabenverzeichnisse des klosters (veröffentlicht von mir in Studien und mitteilungen aus dem Benedictiner- und Cistercienserorden XX, 1899), das in der zweiten hälfte des 12. Jahrhunderts, also in den ersten Zeiten des stiftsbestandes niedergeschrieben wurde, geht hervor, dass man in Baumgartenberg bald schon den bücherbestand durch ankäufe zu mehren suchte. Möglich also, dass auch die Pan- normia des Ivo von Chartres mit unserem gedichte durch kauf oder tausch erworben