86 SCHIFFMANN im Cammerlander’schen verlag erschienenen büelier nötig. Wenzel hat in dieser hin ­ sicht noch viel zu wünschen übrig gelassen. Vielleicht veranlassen diese zeilen einen jungen forscher, die frage einer gründlichen prüfung zu unterziehen, wozu mir leider zeit und gelegenheit fehlt. MÜNCHEN. , f <sä- . / ),. u , . ■/ A / 7 yv ; ~Zf7TT7 Zur kenntnis der altd. litteratur. A. Ein lied aus den Carmina Burana. Das lied, welches J. Huemer im Cod. Cc III, 9 der Bibi. publ. in Linz fand und in seinem 4 Iter austriacum’ (Wiener Studien IX 1887) 4 Abschied aus der heimat’ nannte, ist die n. 82 von Schmellers Carm. Bur. Der codex, in dem es eingetragen ist, war früher eigentum des 1107 ge ­ gründeten, 1787 aufgehobenen Benedictinerstiftes GarsJen in Oberösterreich und ent ­ hält von einer hand des 12. Jahrhunderts geschrieben eine mythologie ( 4 liber fabularum’), einen tractat 4 de figuris psalterii’, erörterungen 4 de posituris et distinctionibus, de barbarismis, de solecismo’ etc., einen 4 Remigius super Donatum’ u. a., woraus er ­ hellt, dass die hs. schulzwecken gedient hat. Auf der zweiten Seite des letzten blattes, von dem etwas weniger als die untere hälfte weggeschnitten ist, steht das erwähnte lateinische gedieht von einer hand des 13. Jahrhunderts eingetragen. Die Garstener Version weicht von der bei Schmeller abgedruckten Benedict- beurener und von der Stuttgarter (ed. G. Dreves in der Zs. f. d. a. 39 [1895], 363 aus einer hs. 4 I Asc. 95’ der kgl. handbibl. in Stuttgart, s. XIII) fassung nicht unerheb ­ lich ab. 0. Hubatsch in seiner schrift über die lat. vagantenlieder des mittelalters (Görlitz 1870) und W. Wattenbach, Die anfänge lat. profaner rhythmen des mittelalters (Zs. f. d. a. 15 [1872]) haben darauf hingewiesen, dass die an verschiedenen orten ge ­ machten auf Zeichnungen infolge nur mündlicher Überlieferung in so erstaunlicher weise auseinandergehen. Die letzte Strophe des Benedictbeurener textes fehlt in der Garstener hs. Der raum hätte zur eintragung noch gereicht, wurde aber durch andere lat. verse ausgefüllt, die ich hiehersetze: Benedicamus flori orto De styrpe dauid die hodierno, Quem produxit virga virgo Domino. 0 Maria pia virgo, Que portasti alfa et cu, Voce clara cum iubilo Benedicamus Domino. Beachtenswert ist ferner, dass etwas über der ersten zeile des gedichtes am rande des blattes die zwei Worte 4 Dulce lignum’ mit neumen stehen. Es dürfte darin die angabe der melodie zu suchen sein, nach welcher das lied zu singen war. Da bekanntlich sehr viele profane rhythmen des mittelalters parodien der kirchlichen sind und ihre ausdrucksweise überall durchklingt, so deuten die worte 4 Dulce lignum’ wol auf einen kreuzeshymnus (Venantius Fort. ?), dessen rhythmus und melodie der profanen nachbildung untergelegt wurde, der uns aber leider nicht erhalten ist. Stimmt diese Vermutung, dann dürfte wol auch Burdachs meinung (Reinmar der alte und Walther von der Vogelweide, Leipzig 1880), dass zwischen der musik der weltlichen lieder und der geistlichen kunstmusik ein scharfer gegensatz bestanden A. L. STIEFEL. SS-